Seine Schüler finden's cool

Dräger will Bürgermeister in Spangenberg werden

Politiker mit grünem Daumen: Wilfried Dräger (SPD) aus Spangenberg will Bürgermeister in Spangenberg werden. Biologie auf Lehramt hat er studiert, mittlerweile unterrichtet er Arbeitslehre. Der grüne Daumen ist geblieben: In seiner Freizeit züchtet er Tomaten auf dem Balkon. Foto: Feser

Spangenberg. Am 8. November ist Bürgermeisterwahl in Spangenberg. Zwei Kandidaten haben sich für das Amt beworben. Heute stellen wir Wilfried Dräger, 56, vor. Er geht für die SPD ins Rennen.

Seine Schüler fanden es cool, als sie von Wilfried Drägers Bewerbung für das Bürgermeisteramt in Spangenberg hörten. Die Begeisterung hielt zehn Minuten an. Dann wurde ihnen klar, dass ihr Klassenlehrer im Fall eines Wahlsieges die Schule verlassen wird - das fanden sie nicht mehr so toll. Wenn Wilfried Dräger das erzählt, schmunzelt er. Ja, er ist gerne Lehrer, das wollte er schon immer werden. Es war ein langer Weg für ihn, das Arbeiterkind vom Dorf, das nun Fachleiter für Arbeitslehre an einer Gesamtschule ist.

Aber die Politik juckt ihn, seit er bei der Kommunalwahl 2011 ins Stadtparlament gewählt wurde. „Seitdem hat sich der Blick verändert“, sagt er. Dräger ist sogar Erster Stadtrat, aber eben nur der Stellvertreter des Bürgermeisters. Warum er Bürgermeister werden will? „Ich will den Griff nach dem Gestaltungsspielraum.“ Und er will erreichen, dass sich Spangenberg nicht mehr unter Wert verkauft.

Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung sind auch Werte, die er seinen Schülern vermitteln will. Darum ist er Lehrer geworden. Glaube und Humanität sind seine Motivation. Dräger will seine Schüler begleiten und sie vor allen Dingen sehen mit all ihren Päckchen, die sie mit sich tragen. Er will ihnen zuhören und sie fördern. So hat er das schon gemacht, als es nach seinem Studium Mitte der 1980er-Jahre keine Lehrerstellen in Hessen gab. Als pädagogischer Mitarbeiter der Landeskirche Kurhessen-Waldeck betreute der Gymnasiallehrer für Bio und Religion Menschen in Betrieben, hörte ihre Sorgen, unterstützte bei Problemen, koordinierte aber auch mal Besuche des Bischofs bei Unternehmen. Das machte er 13 Jahre lang.

Gut zuhören können, andere wahrnehmen, das nennt Wilfried Dräger als seine Stärken. Er warte erst mal ab, was andere zu sagen haben. Es dauere, bis er sich öffne. Auch auf dem Fußballplatz war er keiner, der aufs Tor stürmte - Dräger war Abwehrspieler, 25 Jahre lang, zuletzt spielte er Kreisliga A bei der SG Haselgrund. Mit 33 musste er aufhören wegen der Knie. Deshalb geht er heute lieber aufs Laufband ins Fitnessstudio anstatt zum Joggen in die Natur.

Dabei ist die Natur sein Hobby: Dräger züchtet Tomaten auf dem Balkon. Keine leichte Aufgabe, steht sein Wohnhaus doch in einer Windschneise am Spangenberger Stadtrand. Deshalb hat Dräger die Tomaten vierfach umdrahtet.

Für mehr Pflanzen bleibt im Wahlkampf keine Zeit, denn spätnachmittags, nach der Schule, ist er in Sachen Bürgermeisterwahl unterwegs. Den Großteil der 50 Wahlplakate hat er selbst geklebt, berichtet er stolz. „Sie hängen ja überall an den Laternen“, sagen seine Schüler. Und finden das auch ganz schön cool.

Quelle: HNA

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