Haus unter Denkmalschutz

Selbst Abriss war Thema - Erhaltung der Engel-Apotheke teurer als angenommen

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In der Diskussion: Die historisch wertvolle und sanierungsbedürftige ehemalige Engel-Apotheke. 

Homberg. Große Holzbalken geben dem Erdgeschoss Halt, Stützpfeiler sorgen dafür, dass die Decke im 1. Obergeschoss bleibt, wo sie ist: Die Engel-Apotheke ist laut Bürgermeister Dr. Nico Ritz in einem desolaten Zustand.

Das historische Fachwerkhaus bewegt sich, wanderte in den vergangenen drei Jahrzehnten etwa 15 Zentimeter in Richtung der Engen Gasse. Der Umbau des 350 Jahren alten Gebäudes in der Vergangenheit hat tiefe Spuren hinterlassen.

„Wir haben das Innere der Engel-Apotheke jetzt notgesichert. Das Fachwerkhaus würde sonst über kurz oder lang in sich zusammenfallen“, schätzt Albert Hess vom Architektenbüro Hess aus Neuenstein die Situation ein. Der Magistrat der Stadt Homberg und die Ausschüsse berieten am Mittwoch, wie es mit dem Fachwerkhaus weiter gehen soll. Denn: Die für die Sanierung vorgesehenen 1,07 Millionen Euro, die sich aus Mitteln des Leader-Förderprogramm, des Burgbergvereins und des Vereins „Haus der Reformation“ sowie der Stadt Homberg zusammensetzen, reichen nicht mehr.

Etwa 330.000 Euro an Mehrkosten werden Schätzungen des Architekten zufolge allein zur Lösung der problematischen Statik anfallen.

Die historisch wertvolle und sanierungsbedürftige ehemalige Engel-Apotheke: von links oben im Uhrzeigersinn das einsturzgefährdete Gebäude innen mit Stützbalken, in der Außenansicht sowie unten links mit Heinz Ziegler und Niels Arndt vom Bauamt sowie Albert und Christine Hess vom Architektenbüro Hess, die ein Stück der historischen Tapete in den Händen halten. 

An eine Unterbringung der beiden Geschichtsvereine in der Engel-Apotheke ist erst einmal nicht zu denken. Thema der Sitzung waren daher vier Varianten:

Variante Eins

Die geplanten Zimmermanns- und Rohbauarbeiten werden nicht getätigt, das Gebäude bleibt, wie es ist. Dagegen spreche, dass die Notsicherung laut Architekt Albert Hess nur circa fünf Jahre halten wird. Damit das historische Gebäude nicht verfällt, sind trotzdem Arbeiten nötig.

Variante Zwei

Die Zimmermanns- und Rohbauarbeiten werden im bewilligten Kostenrahmen von 1,07 Mio. Euro wie geplant fortgeführt. Auch mit Blick auf die noch unklaren Gesamtkosten fehlt für weitere Sanierungsarbeiten aber das Geld.

Variante Drei

Man entscheidet sich für eine ordnungsgemäße Sanierung und strukturiert die Pläne zur Engel-Apotheke neu. Die derzeitige Leader-Förderung setzt voraus, dass die Engel-Apotheke durch den Burgbergverein und als Reformationshaus genutzt wird. Verzichtet man auf diese Mittel, kann man die Raumkonzepte mit den Homberger Geschichtsvereinen modifizieren. Außerdem kann man darüber beraten, ob und welche Arbeiten getätigt werden und sich um neue, angepasste Fördermittel bemühen.

Variante Vier

Ein Abriss der Engel-Apotheke ist eher undenkbar: Lediglich die Fassade könnte nach dieser Idee erhalten bleiben, der Rest wird neu gebaut. Das verschaffe zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten, die die Gebäudebeschaffenheit in ihrer jetzigen Form aber nicht zulässt, wie zum Beispiel den Bau eines Parkdecks für eventuelle Wohnungen in den oberen Etagen.

Da das Fachwerkhaus unter Denkmalschutz steht, kann es aber nicht abgerissen werden.

Weitere Informationen zum Thema gibt es hier

Quelle: HNA

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