Anna Stern pflegte 17 Jahre lang ihren Mann – Nun bekam sie die Pflegemedaille

Es war selbstverständlich

Verleihung der Pflegemedaille: Anna Stern (Mitte) mit ihren Söhnen Markus (links) und Eckhard Stern nach der Ehrung. Foto: privat

Winterscheid. „Das war für mich immer selbstverständlich“, sagte Anna Stern. Die 76-Jährige aus Winterscheid hatte 17 Jahre lang ihren Ehemann gepflegt. Nun bekam sie dafür die Pflegemedaille das Landes Hessen verliehen.

Die Ehrung fand im Schloss Biebrich in Wiesbaden statt. Zuerst war sich die Rentnerin nicht sicher, ob sie an dem Festakt teilnehmen solle, sie steht nicht gern im Mittelpunkt. Gefallen hat ihr der Tag dann sehr. „Wir wurden stellvertretend für soviele geehrt, die dasgleiche leisten“, sagte die Gilserbergerin.

Im Spätherbst 2010 verstarb ihr Mann Willi Stern. „Er wollte zu Hause bleiben“, erzählt sie. So kümmerte sich die 76-Jährige um ihren Mann. Keine leichte Aufgabe. Am Anfang konnten sie noch kleine Spaziergänge mit dem Rollstuhl machen, doch irgendwann waren die körperlichen Grenze erreicht. Anna Stern schaffte es nicht mehr, ihren Mann die Treppe hoch- und hinunterzutragen.

Für die Pflege musste sie viel aufgeben: „Ich konnte nicht mehr zur Sing- und Stickstunde gehen.“ Denn ihr Mann musste rund um die Uhr betreut werden. Allein übernahm Anna Stern die Pflege, nur für die medizinische Versorgung kam ein Arzt oder eine Schwester. Sehr dankbar sei er gewesen, erzählte die Rentnerin.

„Ich habe es aus Liebe getan“, lautet ihre Antwort auf die Frage, warum man jemanden so lange zu Hause umsorgt. Pflege sei für sie allerdings auch immer eine Sache des Vertrauens: „Ich bewundere die Arbeit der Pflegekräfte bei fremden Menschen.“

1957 hatten Sterns geheiratet. Die Goldene Hochzeit hatte das Paar noch im eigenen Haus in Winterscheid gefeiert. „Willi wollte gern feiern“, sagte sie. Der Posaunenchor hatte zu der kleinen Familienfeier gespielt. Ihr Mann freute sich immer über Besuch, Abwechslung vom Alltag sei das gewesen.

Ihren Ausgleich fand und findet die 76-Jährige in der Gartenarbeit. Mit ihrem Mann habe sie früher den landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet, das war seine Lieblingsbeschäftigung. „Es tat ihm sehr weh, als er das nicht mehr konnte“, erinnerte sie sich. „In der Ehe muss man in guten und in schlechten Zeiten zusammenhalten“, sagte sie, schließlich hatten sie sich das damals am Altar versprochen. Nach dem Tod des Mannes war es schwer für sie nach Hause zu kommen und zu wissen, er wartet nicht mehr. An der Pflegemedaille freute sie besonders, „dass wir nicht vergessen wurden“.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare