Vom ersten Tonlaut bis zum ersten Auftritt

Selbstversuch beim Jodelkurs - Holdriahio bis es schmerzt

Schwarzenborn. Jodeln kann ja nicht so schwer sein. Wer sprechen kann und über ein Mindestmaß an Takt- und Rhythmusgefühl verfügt, der kann auch „Olalaiti“ trällern. Diese Annahme trügt. Denn wer mal einen Jodelkurs besucht, wird unsanft eines besseren belehrt.

Der Klang ist gut in dem gefliesten Treppenhaus einer Gaststätte am Knüllköpfchen. Durch den Rückschall bekommt man das Gefühl, die Stimme erklingt in Stereo. 30 Teilnehmer haben sich auf den Treppen und Gängen versammelt. Mit einem kräftigen „Holdriahio“ stößt der Kursleiter dazu. In dem rot-weiß karierten Holzfällerhemd und Wanderschuhen sieht Hans Roth aus, wie man sich einen Jodelmeister vorstellt.

Seit fünf Jahren gibt der Schweizer Unterricht in bayrischem und österreichischem Jodeln. Zum Einstimmen werden erstmal die Stimmbänder gedehnt. Wieder und wieder gibt die Gruppe ein langgezogenes „muaaaahhhh“ von sich. Putzfrauen, die zufällig durch das Treppenhaus laufen, gucken verdutzt und können sich das Lachen kaum verkneifen.

„Du musst viel höher kommen. Sprech mal wie eine Micky Maus“, empfiehlt der Jodelmeister mit aufgesetzt piepsiger Stimme. Na gut, sprechen wie Micky Maus. Erster Versuch. Zweiter Versuch. Es will einfach nicht gelingen. Nach dem zehnten Versuch kommt endlich ein Funken Hoffnung. Es geht. Scheinbar muss man sich erstmal eine Weile einsingen, um die Tonlage halten zu können.

Motiviert durch die Freude über den geglückten Einsatz der Kopfstimme geht es raus aus dem engen Treppenhaus. Auf der großen Wiese vor dem Festzelt wird in Kleingruppen weitergejodelt. Üben scheint sich zu lohnen. Mittlerweile klingen die Laute, die über den Festplatz ertönen, recht passabel.

Das scheint auch die Tanzgruppe im Festzelt so zu sehen. Sie wollen einen gemeinsamen Auftritt mit den Jodlern. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch finden wir uns plötzlich im Festzelt wieder, umringt von rund fünfzig Festivalbesuchern, die im Takt klatschen und im Kreis tanzen. Abhauen funktioniert jetzt nicht mehr. Augen zu und durch.

Nach dem überraschenden Auftritt bleibt ein rauer Hals und eine neue Erfahrung: Jodeln ist schon ganz schön schwer.

Von Daniel Göbel

Quelle: HNA

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