22 Geologie-Studenten erkundeten mit Willi Schütz die Kalkkuppen bei Winterscheid

Seltene Flora und Fauna

Dem Aufbau der Erde auf der Spur: Zusammen mit Hobby-Geologe Willi Schütz (links) waren die Studenten der Universität Bonn jetzt im Bereich der Kalkkuppen zu einer Exkursion unterwegs. Fotos:  Rose

Gilserberg. Die Kalkkuppen bei Winterscheid sind geologisch bedeutend: Dessen ist sich nicht nur der Hobby-Geologe Willi Schütz bewusst. Auch Dr. Andreas Braun und sein Kollege Dr. Norbert Kühl von der Uni Bonn sind dem Aufbau der Erde im Hochland auf der Spur. 

Zusammen mit 22 Geologie-Studenten besuchten sie jetzt die Kalkkuppen. Der Ausflug war Teil einer paläontologischen Exkursion. „Ich möchte ein Gespür dafür vermitteln, dass sich diese Flächen zu neuen Lebensräumen entwickeln können“, sagte Schütz. Denn die Kalkkuppen seien Lebensraum besonderer Flora und Fauna.

Geologisch gesehen seien sie wie ein offenes Geschichtsbuch. Man sehe an den Steilwänden hervorragend die so genannten Horizonte – das sind Ablagerungen, verteilt auf Schichten. Die Funde gingen zurück auf die Trias, die älteste Epoche des Erdmittelalters. „Die Gesteine der drei Zeitabschnitte Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper beschränken sich auf Mitteleuropa“, erklärte Schütz. Die Zeit der oberen Jura sei auch in Hessen äußerst „erdbewegend“ gewesen. Aus dieser Zeit stamme auch der Momberger Graben. Dort seien in den Horizonten original fossile Teile des Nothosaurus – Zahn, Wirbel und Knochenstücke – gefunden worden. Nicht nur geologisch, auch geschichtlich profitierte die Gemarkung Winterscheid von der Lage: Wie aus der Ortschronik hervor gehe, wurde schon 1770 in kleinen Mengen Kalk abgebaut, ab 1835 auch gewerblich. „Winterscheid stand so gut da, dass keine Umlagen erhoben werden musste“, sagte Schütz.

Orchideen und Enziane

Heute sei die Fläche in der sonst recht artenarmen Buntsandstein- und Schieferlandschaft zwischen Gießen und Kassel durchaus bedeutend: Und zwar wegen ihrer kalkliebenden Vegetation samt ihrer Fauna. „Hier wachsen elf Orchideen- und zwei Enzianarten“, erläutert Schütz. Was die Pflanzen bräuchten, sei ein bestimmter Ph-Wert im Boden, Licht und Wärme.

Das alles gelte es zu schützen, gab der Winterscheider den Studenten mit auf den Weg. „Es dürfen weder Pflanzen aus- noch eingebracht werden“, erklärte Schütz. Dazu gebe es in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde einen speziellen Pflegeplan. Im kommenden Jahr – zum Tag des Geotops – soll im Bereich der Kalkkuppen ein so genannter „Trias-Weg“ mit Infotafeln eingerichtet sein.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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