Autofahrer über 65 Jahre verursachten nur acht Prozent der Unfälle

Polizei-Statistik: Senioren sind kein großes Verkehrsrisiko

Schwalm-Eder. Eine verbreitete Meinung entpuppt sich als unwahr: Im Vergleich mit jüngeren Fahrern verursachen Senioren am Steuer wenige Unfälle. Nach einer Polizei-Statistik waren im Schwalm-Eder-Kreis Fahrer über 65 Jahren nur für 288 der 3486 Unfälle in 2010 verantwortlich - das sind acht Prozent.

Ein wesentlich größeres Problem auf der Straße stellen die 18- bis 24-Jährigen dar: Sie waren an 22 Prozent aller Unfälle Schuld.

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Die Umstände der durch Senioren verursachten Zusammenstöße belegen aber, dass deren Ursachen in der Altersschwäche zu suchen sind. In 21 Prozent der Fälle waren es Fehler beim Rückwärtsfahren oder Wenden, in 17 Prozent beim Einbiegen oder Kreuzen und in 41 Prozent andere Fehler wie etwa beim Ein- oder Ausparken, die zu einer Kollision führten. „Ältere Menschen sind nicht so reaktionsschnell und zum Teil eingeschränkt in der Bewegung“, sagt der für die Verkehrsstatistik zuständige Polizeihauptkommissar Thomas Gläsel. Ältere sollten regelmäßig ihr Hör- und Sehvermögen testen.

Nur bei drei Prozent war in ihrer Altersgruppe eine überhöhte Geschwindigkeit ursächlich. „Eine der Hauptursachen bei Unfällen der 18 bis 24-Jährigen“, sagt Gläsel.

20 Menschen mussten im vergangenen Jahr ihren Führerschein wegen Altersschwäche oder Krankheit abgeben, teilte der Landkreis mit. Die Betroffenen waren der Polizei aufgefallen und vom Amtsarzt auf ihre Fahrtauglichkeit untersucht worden.

Ingeborg Vorndran, Pressesprecherin des Statistischen Bundesamtes, bestätigt aber, dass ältere Autofahrer kein besonderes Risiko darstellen. Dies gelte auch dann, wenn berücksichtigt werde, dass Senioren weniger Kilometer im Jahr mit dem Auto zurücklegen. Deutschlandweit gingen lediglich elf Prozent der Unfälle mit Personenschaden auf das Konto der über 65-Jährigen. (bal)

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Hintergrund:

Menschen über 65 Jahre erleiden im Straßenverkehr häufiger schwere Verletzungen, sagt Ingeborg Vorndran vom Statistischen Bundesamt. Dies liege zum einen daran, dass sie weniger Widerstandskraft besäßen. Zudem sei jeder zweite Fußgänger und Radfahrer über 65 Jahre und als solcher besonders gefährdet im Verkehr.

Im Jahr 2010 kamen auf deutschen Straße 911 Menschen über 65 Jahre ums Leben. Das ist ein Viertel aller Verkehrstoten.

Die Verkehrswacht Schwalm-Eder macht mit dem Programm „sicher mobil“ speziell Autofahrern über 50 Jahren ein Schulungsangebot.

Infos: www.verkehrswachts-schwalm-eder.de, Tel. 05662/ 400601

Quelle: HNA

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