Dreiviertel Jahr Arbeit

Serie zum Denkmalpreis: Scheune in Wolfhagen wurde zur Wohlfühloase

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Gelungene Gebäudesanierung: Im Jahr 2013 kaufte Matthias Wächter die Scheune an der Bunsenstraße in Wolfhagen und ließ sie zu einem Wohnhaus auf zwei Ebenen umbauen. Sein Engagement wurde bei der Vergabe des Denkmalpreises 2015 besonders gewürdigt. Das Foto rechts zeigt das Scheuneninnere vor dem Umbau.

Wolfhagen. Der Landkreis Kassel verleiht im September den Denkmalpreis. Beim ersten Wettbewerb im Jahr 2015 hatten sich 27 Personen um den Preis beworben. In einer Serie stellen wir alte Gebäude und Menschen vor, denen eine Sanierung gelungen ist.

Dort, wo heute das gemütliche Sofa und der Esstisch der Mieter stehen, war vor einigen Jahren ein Wohnmobil untergestellt. Die damaligen Eigentümer hatten die alte Scheune an der Bunsenstraße in Wolfhagen als Garage und Abstellraum genutzt, hin und wieder wurde auch mal eine Party gefeiert. Im Herbst 2013 kaufte der Wolfhager Geschäftsmann Matthias Wächter das Gebäude aus dem Jahr 1904 und setzte eine ambitionierte Idee um: Aus der Scheune machte er ein modernes Wohnhaus.

Modern und lichtdurchflutet: Der Wohnraum mit der offenen Küche wirken großzügig. Beim Umbau der Scheune hat Matthias Wächter die alten Eichenbalken erhalten. Ein zusätzlicher Stahlträger (nicht im Bild) sichert die Zwischendecke ab. Eine Stahltreppe mit Holzstufen verbindet beide Ebenen.

Die Inspiration für sein Projekt brachte der 45-Jährige aus Dagobertshausen mit, einem Stadtteil von Marburg. Dort hatte jemand aus dem Bekanntenkreis ebenfalls eine alte Scheune in ein Haus verwandelt. Wächter und seine Frau Jana waren begeistert. Nach dem Kauf der Immobilie war der Grundstein für das Vorhaben gelegt. Die wenigste Arbeit hatte der neue Eigentümer mit dem Dach. Denn das war bereits im Vorfeld des Hessentages im Jahr 1992 erneuert worden. Damals hatte der Dachstuhl einzustürzen gedroht. Der Gebäudeteil wurde saniert, gut 20 Jahre später fügte Wächter lediglich Fenster an Stellen ein, an denen es zuvor keine gegeben hatte. Vor Beginn der Arbeiten hatte die Scheune acht Fenster, nach Abschluss waren es 17.

Viel Akribie verlangte die Renovierung des Sandsteinmauerwerkes. „Mein Schwiegervater und ich haben jede einzelne Fuge ausgekratzt und mit Mörtel wieder verschmiert“, sagt Wächter. Allein diese Arbeit habe acht Wochen gedauert. Alles in allem brauchte es vom Startschuss im November 2013 bis zur Fertigstellung ein dreiviertel Jahr. 90 Prozent aller Arbeiten vergab Wächter an heimische Firmen mit Sitz im Wolfhager Land. Den Rest übernahm er selbst.

So schön wie die Sandsteinhülle des Gebäudes auch ist, so groß ist die Herausforderung, wenn es darum geht, Feuchtigkeit und Wärmeverlust in den Griff zu bekommen. Denn Sandstein saugt Nässe auf.

Wächter ließ auf den Sandstein einen mineralischen Putz auftragen und vor diesen Multiporsteine als Dämmung setzen. Er installierte eine Wandheizung. Auf diese wurde ein fünf Zentimeter dicker Lehmputz aufgetragen, der die Wärme speichert und zudem für ein angenehmes Raumklima sorgt. Feuchtigkeit hätte auch über den Boden in das Gebäude eindringen können. Dieses Problem hat der 45-Jährige mit Glasschaumschotter gelöst. Dafür musste der ursprüngliche Untergrund ausgehoben und durch verdichteten Glasschotter ersetzt werden.

Der Denkmalschutz machte dem Wolfhager zwei Vorgaben: Zum einen musste die Sandsteinhülle bleiben. Und zum anderen sollte die Zwischendecke mit den alten Eichenbalken erhalten werden. „Wir haben jeden Balken bearbeitet“, sagt der Vermögensberater, der 280 000 Euro zuzüglich Kaufpreis in den Umbau seines Gebäudes investierte. Eine Stahltreppe führt nun vom barrierefreien Erdgeschoss mit Wohnraum, Küche und Gäste-WC an der Wand entlang hinauf in die zweite Ebene. Dort befinden sich die Schlafräume, das Bad und ein Abstellraum der 148 Quadratmeter großen Wohnung. Weiteren Platz gibt es unmittelbar unterm Dach, allerdings ist das noch nicht ausgebaut.

Fördermittel hat Matthias Wächter, der aus Schauenburg stammt und seit 23 Jahren in Wolfhagen lebt, kaum in Anspruch genommen. „3000 Euro gab es von der Stadt für die Fassade“, sagt er. Der Umbau gelte beim Denkmalschutz als Neubau, und da komme eine Förderung nicht in Frage.

Quelle: HNA

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