Tat im Juni 2018 

Sexualverbrechen hatte Ottrau erschüttert: 21-Jähriger zu drei Jahren Haft verurteilt

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An dieser Stelle in Ottrau hatte sich laut Augenzeugen die Tat im Juni 2018 ereignet. 

Das Amtsgericht Schwalmstadt hat einen 21-Jährigen wegen schwerer sexueller Nötigung zu einer Haftstrafe verurteilt. Er soll bei der Tat in Ottrau 2,3 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass der Somalier am 14. Juni 2018 in Ottrau eine 40-jährige Frau sexuell genötigt und verletzt hat. Bei der Tat, die sich in der Mittagsstunde ereignete, hatte der Mann vehement auf die am Boden liegende Frau eingeschlagen und versucht, sie zu vergewaltigen. Hierzu war es im juristischen Sinne nicht gekommen, da kein Beischlaf vollzogen wurde. 

Die Freiheitsstrafe kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden, sagte Richterin Mareike Pöllmann bei der Urteilsverkündung. Mit dem Strafmaß blieb das Urteil unter dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre und drei Monate Freiheitsentzug gefordert hatte, jedoch über dem der Verteidigung, das bei zwei Jahren und sieben Monaten lag. 

Es sei von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit des Angeklagten auszugehen, begründete die Richterin, hervorgerufen durch den „mittelschweren Rausch“, wie der psychiatrische Gutachter den Zustand des 21-Jährigen beschrieb. Es sei davon auszugehen, dass der Angeklagte zur Tatzeit bis zu 2,3 Promille Alkohol im Blut hatte.

Archivvideo vom 15. Juni 2018: 

Antrag auf Asyl wurde abgelehnt 

Wegen Fluchtgefahr bleibt der Somalier zunächst in U-Haft, er sitzt in der JVA Gießen ein und wurde in Handschellen vorgeführt. Er lebte seit 2014 in Deutschland, zuletzt in Kirchheim. Sein Antrag auf Asyl wurde abgelehnt, ein Risiko einer Verfolgung in seinem Heimatland wurde nicht anerkannt.

Ob der 21-Jährige seine Strafe in Deutschland absitzen oder abgeschoben wird, darüber gibt es noch keine Information. Fest steht: Die Asylberechtigung und der Flüchtlingsschutz können ausgeschlossen werden, wenn ein Ausländer rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden ist. Der Verurteilte kann aber noch eine Woche lang Revision einlegen. Ist ein Asylgesuch abgelehnt, liegt die Zuständigkeit über eine Abschiebung nicht mehr beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), sondern bei der Ausländerbehörde des Bundeslands.

Der Tat in Ottrau war eine nächtliche Irrfahrt von Kirchheim über Marburg und Schwalmstadt vorausgegangen. Der Täter war kurz vor dem Losfahren hinterrücks in das Auto der 40-Jährigen gestiegen und ihr nicht mehr von der Seite gewichen, als sie nach Mitternacht bei McDonalds angehalten und sich etwas zu essen gekauft hatte. 

Hier befindet sich Ottrau im Schwalm-Eder-Kreis

16 Zeugen waren geladen 

Sieben Monate, nachdem der Vorfall einen ganzen Ort schockierte, kam es zu dem Prozess vor dem Amtsgericht. 16 Zeugen waren geladen, unter ihnen der Chef der Frauenklinik in Ziegenhain sowie Nachbarn und Freunde, die das 40-jährige Opfer unbekleidet und zusammengebrochen vor ihrer Haustür in Ottrau aufgefunden hatten. Dorthin hatte die Frau sich mit letzter Kraft geschleppt. 

Es war der 14. Juni 2018, als die 40-jährige aus Nordrhein-Westfalen, die seit geraumer Zeit in der Schwalm lebte, mit Prellungen, Blutergüssen am Oberschenkel, Rötungen und Kratzern im Gesicht sowie Würgespuren am Hals vor ihrer Wohnung in Ottrau aufgefunden wurde. Der Täter war noch am selbigen Nachmittag am Ortsrand von Ottrau von der Polizei festgenommen worden, nicht weit von der Stelle, wo sich die Tat ereignete. 

„Ich war sofort unter Schock und habe nicht verstanden, was los war“, beschrieb die 40-Jährige die Situation, als der ihr Unbekannte in der Nacht zuvor am McDonalds-Parkplatz in Kirchheim in ihr Auto stieg. „Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, er ist nicht ausgestiegen, obwohl ich ihn gebeten habe.“ Sie habe zuerst nur Hilfe leisten wollen, so die Diplom-Pädagogin, doch sei er schnell übergriffig geworden. „Er hat mich nie unbeobachtet gelassen. Ich hatte keine Chance, zu fliehen.“ 

Dolmetscher übersetzte Aussagen des 21-Jährigen 

Der während der Verhandlung fast jungenhaft wirkende Somalier habe ihr Schnapsflaschen an den Mund gehalten und sie aufgefordert, zu trinken. Er habe sie wieder an den Alkohol geführt, so die 40-Jährige, die gleich zu Beginn des Prozesses freimütig einräumte, alkoholkrank zu sein. 2,37 Promille stellte die Polizei bei ihr fest. Die ganze Nacht über sei Alkohol geflossen, räumten Täter und Opfer ein. „Ich habe erst in Deutschland gelernt, Alkohol zu trinken“, sagte der Somalier aus, der keinerlei schulische Bildung genoss und in seiner Heimat als Schuhputzer arbeitete. Ein Dolmetscher übersetze vor Gericht seine Aussagen. 

Sie habe gewusst, dass es in Treysa ein Flüchtlingswohnheim gibt, sagte die Ottrauerin. „Ich will den loswerden“, habe sie dort angekommen gerufen, doch vergebens. „Ich verstehe nicht, dass nicht einer auf die Idee gekommen ist, mir zu helfen“, so die 40-Jährige. 

Selbst ihr Freund und dessen Nachbar in Ottrau hatten ihre Notlage verkannt. Zu ihnen war die Frau in ihrer Bedrängnis am Vormittag nach Ottrau gefahren, um um Hilfe zu bitten. So kam es, dass sie mit dem späteren Täter wiederum weiterfuhr, kurze Zeit darauf kam es auf einem Feldweg am Ortsrand zur Gewalttat, „ich weiß nur noch, dass ich auf dem Feld lag und er versuchte, in mich einzudringen“. 

„You have no respect for an african man“ („Du hast keinen Respekt gegenüber einem afrikanischen Mann“) habe er auf ihr liegend geschrien, sie ausgezogen, versucht, in sie einzudringen und ihr immer wieder mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. „Ich hatte Todesangst, das verfolgt mich bis heute“, sagte die in Scheidung lebende Frau. „Ich wollte eigentlich ein neues Leben in der Schwalm anfangen.“

Gewaltverbrechen hatte Ottrau im Juni erschüttert

Das Gewaltverbrechen hatte Ottrau im Juni erschüttert, viele Menschen hatten am Tattag Streifenwagen, Zivilstreifen, einen Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug im kleinen Ort wahrgenommen. Am Folgetag zeigten sich Menschen im Gespräch mit unserer Zeitung betroffen, manche Frauen auch verängstigt. Bevor sich die Hinweise auf das brutale Verbrechen verdichteten, gingen viele Ottrauer zunächst davon aus, dass es einen Einbruch im Ort gegeben habe. 

Eine Augenzeugin schilderte der HNA, dass sie das vor dem Hauseingang in Ottrau kauernde Opfer gefunden habe, die Frau habe bitterlich geweint. Während eine andere Anwohnerin per Handy Polizei und Rettungskräfte alarmierte, kümmerte sie sich um das Opfer, „sie war total zusammengeschlagen, das Auge geschwollen, die Arme wiesen deutliche Spuren der massiven Gewalt auf“. 

Quelle: HNA

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