Krankenkasse will Kosten nicht übernehmen

Sie fällt immer wieder hin: Frau aus Wabern bekommt keinen orthopädischen Schuh

+
Sie ist auf den Rollator angewiesen: Astrid Völker aus Unshausen braucht dringend einen orthopädischen Maßschuh – doch der wird ihr verwehrt.

Unshausen. Es passiert ohne Vorwarnung. Auf einmal macht es „bumm und dann liege ich da“, sagt Astrid Völker. Sie hat in ihren Straßenschuhen keinen Halt. Doch ein orthopädischer Schuh wird ihr von der Krankenkasse verwehrt.

Die 48-Jährige zählt ihre Stürze längst nicht mehr. Sie will gar nicht wissen, wie oft ihr Auge schon blau, ihre Stirn aufgeplatzt und die Rippen geprellt waren. Immer wieder knickt ihr Fuß weg. Wo gesunde Menschen schnell reagieren, sich abstützen können, hat Astrid Völker keine Chance. Sie fällt einfach nach vorne. Ungebremst, mit voller Wucht. Die Unshäuserin hat über die linke Körperhälfte kaum Kontrolle. 

Hand, Bein und Fuß sind taub. Seit 20 Jahren ist Astrid Völker an Multipler Sklerose erkrankt. Der Schub im Jahr 2016 war der Schwerste. Seitdem kann sie den linken Fuß nicht mehr abrollen. Als Folge der Fußheberlähmung entwickelt sich ein Lymphödem, der Knöchel ist dick. Völker passt nur noch ein Turnschuh. Er stammt noch aus der Zeit vor dem Schub. Sie trägt ihn das ganze Jahr. „Ich habe alles ausprobiert“, sagt sie. In Schuhe ihrer Stammgrößen 37/38 kommt sie mit dem angeschwollenen Fuß nicht rein. 

Völker hat es schon mit Schuhen in Größe 40 und 41 versucht. Der Fuß rutscht zwar rein, er findet aber keinen Halt. Völkers Hausarzt und ihr Neurologe sind sich einig: Ihre Patientin braucht einen orthopädischen Maßschuh. Eine Spezialanfertigung, die ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Die kostet mindestens 1500 Euro. Geld, das Völker nicht hat. Bis Ende 2005 arbeitete sie in einer Marketingabteilung, seitdem ist sie berufsunfähig. Völker bittet die Barmer Ersatzkasse um Kostenübernahme, doch die will nicht zahlen.

In einem Schreiben, das der HNA vorliegt, lehnt sie die Kostenübernahme für die Schuhe ab. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) sieht bei Völker keine erheblichen Fußstellungen, „die eine Versorgung mit orthopädischen Schuhen begründen“. Die Versorgung mit Therapieschuhen bei Lähmungszuständen sei „ausreichend und zweckmäßig“. „Das bringt mir nichts, ich habe darin keinen Halt“, sagt Völker und legt Widerspruch ein. Dazu legt sie eine Stellungnahme ihres Neurologen. Wieder antwortet die Barmer, wieder wird Völkers Anliegen abgelehnt. Die Antwort: Es haben sich „keine neuen medizinischen Aspekte ergeben.“ Weite Konfektionsschuhe mit Weichpolstereinlagen seien „ausreichend und zweckmäßig“.

Für Astrid Völker klingt das wie blanker Hohn. Sie ist wütend, sie ist enttäuscht. Erst recht, weil in den vergangenen Jahren mit der Krankenkasse alles gut geklappt habe. Die Medikamente, der Rollator, zwei Rollstühle: Sie hat alles erhalten, was sie benötigt. „Ich will nicht rumjammern. Aber ich brauche die Schuhe.“ Sie müssten auch nicht modisch sein. Es geht der Patientin nur um Stabilität und ein Stück Lebensqualität. Dafür kämpft sie weiter. Sie hält ihren Widerspruch aufrecht und zieht notfalls vor das Sozialgericht. „Ich habe nichts zu verlieren.“

Das sagt die Krankenkasse:

Den Fuß stabilisieren Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hat die Unterlagen geprüft und empfiehlt als Versorgung Weichpolstereinlagen für geeignete konfektionierte, überknöchelhohe Schuhe. „In diesem Einzelfall wird vom MDK sogar explizit eine weitere, alternative Versorgung (Stabilisationsschuh) vorgeschlagen“, erklärt die Barmer schriftlich. Falls „mit der vorgeschlagenen Versorgung die Stabilisation des Fußes auf Dauer nicht gewährleistet ist, können weitere Möglichkeiten geprüft werden“. 

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion