Siebenschläfertag - Früher war das Tier kein Wetterorakel

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So sieht ein Siebenschläfer aus: Alfons Bischof aus Fritzlar päppelte im vorigen Jahr ein elternloses Jungtier auf.

Schwalm-Eder. Die alten Römer liebten ihn gesotten oder gebraten. Die Bewohner der ewigen Stadt sollen Siebenschläfer gemästet und sehr gerne als leckeren Imbiss verspeist haben, berichtet das Internetlexikon Wikipedia.

Am heutigen Siebenschläfertag steht das Tier aber nicht wegen seiner Schmackhaftigkeit im Mittelpunkt, sondern weil es das Orakel schlechthin darstellt: "Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt", heißt es im Volksmund.

Bei Dr. Wolfgang Fröhlich, Leiter des Wildparks Knüll, stößt diese Legende auf größte Skepsis. "Diese Mär hält sich schon ewig", sagt der Biologe. Fröhlich ist einer der wenigen, die überhaupt wissen, wie das nachtaktive Tier aussieht: nämlich wie eine putzige Mischung aus Hamster und Eichhörnchen.

Die Tiere, die zur Familie der Bilche gehören, sind bis zu 15 Zentimeter groß und mit einem buschigen Schweif versehen. Sie werden zwischen fünf und neun Jahre alt und lieben baumhöhlenartige Verstecke, schlafen viel und am allerliebsten in Gesellschaft.

Der Siebenschläfer hat also erstens ein Alibi und zweitens null Chance, am Wetter zu drehen. Ganz im Gegenteil: Der Siebenschläfer macht seinem Namen alle Ehre und verschläft mindestens sieben Monate des Jahres. Es bleibt ihm also kaum Zeit, ins klimatische Weltgeschehen einzugreifen.

Noch heute gilt der Siebenschläfer in manchen Ecken Italiens als echte, wenn auch sehr kleine Spezialität. Denn nur wenn der hungrige Römer Glück hatte, brachte das Tier mehr als 100 Gramm auf die Waage und damit auf den Teller.

Siebenschläfer können übrigens eines überhaupt nicht leiden: Kälte. Vielleicht wird er deswegen heute doch jede Chance nutzen, um das Wetterruder noch rumzureißen.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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