Die 15-jährige Cécile ist im Circus Moreno aufgewachsen, als eines von sieben Kindern

Die siebte Generation

Im Schatten des Zeltes: Cécile Moreno-Sperlich auf dem Borkener Festplatz, hinten Dompteur Alcaraz mit Kamelen und Jongleur Gerardo Weisheit. Foto: Dellit

Borken. Cécile ist 15 Jahre alt und hat schon eine eigene Wohnung; genauer gesagt einen Wohnwagen, oder wie sie beim Circus sagen: einen Camping. Cécile lebt ein Leben, das sich von dem der meisten anderen 15-Jährigen stark unterscheidet, sie ist das Kind einer alten Circusfamilie.

Zurzeit gastiert der Circus Moreno auf dem Festplatz am Wasserturm in Borken und ist für ein paar Tage die Heimat von Cécile Moreno-Sperlich. Wenn andere Jugendliche in die Schule gehen, ist das Mädchen vielleicht gerade bei der Probe im Circuszelt. Jeden Tag braucht sie dafür zwei Stunden, plus Vorstellungen.

Sie kennt nur dieses Leben

Die junge Artistin kennt kein anderes Leben. Mit vier, fünf Jahren begann für sie das Training, als Siebenjährige stand sie regelmäßig in der Manege. Heute präsentiert sie eine Trapeznummer und eine Kautschuk-Nummer, also Kunststücke, bei denen sie ihren Körper so verbiegt, dass es atemberaubend und gar nicht gesund aussieht.

Beim Circusfestival in Wiesbaden bekam sie dafür vor ein paar Jahren einen Preis, erzählt sie stolz, und man hört an ihrer Stimme, dass ihr das mehr bedeutet als eine gute Schulnote.

Die spielen allerdings auch eine Rolle, denn bei Cécile ist die Schule oft zu Besuch. Wenn der Circus in Nordrhein-Westfalen tourt, kommen die Circuslehrer zweimal die Woche zum Unterricht auf den Festplatz. In der Zwischenzeit und, wie momentan, in anderen Bundesländern, läuft alles per Computer. Céciles nächstes Ziel in der Fernschule ist der Hauptschulabschluss.

Computer im Wohnwagen

Der Computer, den die 15-Jährige in ihrem Wohnwagen hat, ist auch wichtig, um Kontakte zu halten. Über das Netzwerk wer-kennt-wen.de steht sie in Verbindung mit Freunden, die oft weit weg sind. Sie kommen eigentlich alle aus einem Circus, erzählt die Artistin. Und ihre Mutter Conchita Moreno-Sperlich ergänzt, dass Circusleute auch in den meistne Fällen untereinander heiraten würden. Ihre Tochter Cécile ist die 7. Generation der Dynastie sagt die Mutter stolz. Doch die Zeiten für den Circus seien hart; bsonders im Winter, wenn die Wasserleitungen einfrieren. Lange Pausen in der kalten Jahrezeit seien nicht mehr drin, das Geld reiche nicht.

Kein Wunder, dass bei Cécile, wenn sie plötzlich zu Geld käme, ein Urlaub ganz oben auf der Wunschliste stünde. Am liebsten Spanien oder die USA. Dann würde die Artistin zur Neverland Ranch fahren, dem Anwesen von Michael Jackson. Für den verstorbenen Popstar schwärmt die 15-Jährige.

Sie interessiert sich für Mode und für Shopping. Vor allem Schuhe kauft sie gerne, so 20 Paar dürften es schon sein, schätzt Cécile. Da unterscheidet sie sich kaum von anderen 15-Jährigen.

Sich aber vorzustellen, immer in einem festen Haus zu leben oder den Circus zu verlassen, das kann Cécile Moreno-Sperlich nicht. Sie sagt das so: „Im Circus geboren, im Circus gestorben.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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