Tanja Schubel kontrolliert bei B. Braun die Aesculap Gefäßprothesen

Sie sieht ganz genau hin

Endkontrolle: Tanja Schubel sieht sich die textilen Prothesen auch von innen ganz genau an. Dazu benutzt sie eine kleine Kamera. Schutzkleidung gehört am Arbeitsplatz der 44-Jährigen dazu. Fotos: V. Koch

Melsungen. Tanja Schubel ist eine Frau mit Blick fürs Detail: Bei B. Braun ist sie für die Endkontrolle der Aesculap Gefäßprothesen zuständig. Viele der im Werk A produzierten Schläuche aus Stoff gehen durch ihre Hände. Erst dann werden die Gefäßprothesen an die Krankenhäuser ausgeliefert.

Ihr Beruf macht die 44-Jährige stolz. „Ich bin zwar kein Arzt“, sagt sie, „aber ich trage einen großen Teil dazu bei, dass Menschen gesund werden.“ 20 000 Gefäßprothesen werden pro Jahr in Melsungen produziert. Gefertigt werden sie aus Stoff, dann mit Gelatine ausgehärtet und teilweise mit Silber bedampft. „Das schützt die Prothese vor der Besiedlung von Bakterien“, erklärt Abteilungsleiter Dr. Helmut Goldmann.

Die Gefäßprothesen sind mit einem Durchmesser von bis zu 3,2 Zentimetern größer als gedacht. Die größeren Prothesen werden für den Oberkörper verwendet, die kleineren ersetzen die Gefäße in den Beinen. Die Stoffschläuche gibt es in zwei Formen: Als gerades Stück oder mit einer Abzweigung. Sie erinnern an den Buchstaben Y.

Tanja Schubels Arbeitsplatz liegt hinter Glas: in einem Raum im Raum mit gesonderter Luftzufuhr. Keine Gefäßprothese verlässt das Werk, ohne von der Melsungerin oder einem ihrer Kollegen ganz genau unter die Lupe genommen zu werden. „Zwischen zwei und 15 Minuten brauche ich für eine Prothese“, sagt Tanja Schubel.

Für ihren Arbeitsplatz gelten – wie für die ganze Abteilung – besondere Hygienevorschriften. Ohne Overall, Handschuh, Mundschutz und Haube darf dort keiner rein. Auch lange, künstliche Fingernägel sind tabu. Zu groß ist die Gefahr, die Prothesen aus Stoff damit zu beschädigen und zu verunreinigen.

Seit 23 Jahren nimmt Tanja Schubel die Gefäßprothesen bei B. Braun schon unter die Lupe und bringt sie auf die richtige Länge. Ein Job mit viel Verantwortung. Eine ruhige Hand und jede Menge Geduld gehören dazu. „Bei der Arbeit bin ich immer hochkonzentriert“, sagt Tanja Schubel. Mit einer kleinen Kamera kontrolliert sie das Innere der Schläuche. Stehen Fäden ab oder haben die gerippten Schläuche ein Loch, wandern sie in die Tonne.

Die Frauen in der Produktion für Gefäßprothesen müssen auf Puder, Lippenstift und Mascara verzichten. Tanja Schubel sieht das vollkommen uneitel: „Das macht mir überhaupt nichts aus.“

Während der Arbeit gilt ihre ganze Aufmerksamkeit den Gefäßprothesen. Zuhause sieht das anders aus: Da steht ihr 15-jähriger Sohn an Platz eins.

Die Gefäßprothesen werden größtenteils in Handarbeit produziert. „Bei uns steckt das Know-How noch in den Mitarbeitern und nicht in Maschinen“, sagt Abteilungsleiter Goldmann. Auch die Entwicklung der textilen Schläuche wird in Melsungen gemacht.

Treppe wird bevorzugt

Wer in der Fertigung für Gefäßprothesen arbeitet, nimmt lieber die Treppe als den Aufzug. Das halte auch die Gefäße fit, sagt Goldmann. Kleine Sporteinlagen sind fester Bestandteil des Arbeitsalltags in seiner Abteilung. „Es macht jeden Tag aufs neue Spaß, hier zu arbeiten“, sagt Tanja Schubel.

Von Verena Koch

Quelle: HNA

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