Wetterdienst an Standort im Kellerwald interessiert

Signale für den Radarturm

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Radarturm auf dem Hohen Meißner

Jesberg. Eigentlich ist der Bereich des Hohen Kellers bei Jesberg ein Naturraum mit Schutzprioritäten. Doch wenn es um die Ansiedlung von Windkraftanlagen geht, scheint doch vieles möglich zu sein. Das jedenfalls ist einem Bericht von Bürgermeister Günter Schlemmer zu entnehmen.

Schlemmer unterrichtete das Parlament am Montag über den Planungsstand für einen neuen Wetterradarturm auf dem Höhenrücken des Wüstegartens bei Jesberg.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prüft, ob im Kellerwald ein neuer Turm errichten werden kann, der die vorhandene Anlage bei Flechtdorf (Landkreis Waldeck-Frankenberg) ersetzen würde (wir berichteten). 40 bis 50 Meter wäre die Betonkonstruktion hoch und hätte einen Durchmesser von zehn Metern, berichtete Schlemmer.

Über einen Aufgang könnte der Turm auch touristisch genutzt werden und den Kellerwaldturm ersetzen, dessen Holzkonstruktion seit längerer Zeit Mängel aufweist.

Der Wetterradarturm in Flechtdorf beeinträchtige die Ansiedlung mehrerer Windparks in diesem Bereich, erklärte Schlemmer. Ein Alternativstandort für die Wetterstation könnte der Wüstegarten sein, obwohl er Teil des Naturschutzgroßprojekts Kellerwald und als Flora-Fauna-Habitat ausgewiesen ist.

Aus dem hessischen Umweltministerium gebe es Signale, dass dort dennoch ein neuer Turm gebaut werden könnte. Wiesbaden habe eine zustimmende Stellungnahme an das Bundesumweltministerium weitergeleitet.

Schlemmer: „Man wundert sich, was heute alles geht, was früher unmöglich war.“ Es gebe aber nach wie vor erhebliche Bedenken der Naturschutzverbände, die auch berechtigt seien, sagte er. Hochrangige Vertreter der Ministerien hätten sich zu einem Ortstermin angekündigt.

Die Gemeinde sei nicht unmittelbar an dem Planungsverfahren beteiligt. Kritisch müsse man sich aber mit dem Thema Radarstrahlung auseinandersetzen, erklärte Schlemmer. Und damit sollte man nicht warten, bis die Planung noch weiter fortgeschritten sind, riet Hans-Wernher von Löwenstein (CDU). Der Bürgermeister geht nicht davon aus, dass noch in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Turmes begonnen werden könnte.

Die Strahlung, die von den Wetterradartürmen ausgeht, stellt aus Sicht des Deutschen Wetterdienstes (DWD) keine Gefahr dar. Umliegende Dörfer seien nicht betroffen. Der Radarstrahl sei nicht nach unten gerichtet, sondern in Richtung Atmosphäre, erklärte Dr. Sybille Schumann, Projektleiterin des Deutschen Wetterdienstes für den Ersatz von Radaranlagen ist.

„Wir wollen ja schließlich die Wolken und den Niederschlag ermitteln“, fügte sie gegenüber der HNA hinzu. Das Radarsignal treffe auf die Wassertropfen in den Wolken, die Stärke des Echos werde in der Wetterstation ausgewertet. Bei der Strahlung handele es sich um eine elektromagnetische Strahlung im Hochfrequenzbereich.

Für alle Anlagen müsse die Bundesnetzagentur eine Genehmigung erteilen, die sich jeweils nur auf den betreffenden Standort beziehe. Dabei würden auch eventuelle bereits vorhandene Belastungen mit bewertet. Bei den bisherigen neu in Betrieb genommen Standorten begtrage der maximale Sicherheitsabstand in Hauptstrahlrichtung unter 400 Meter, so Schumacher.

Der Deutsche Wetterdienst betreibt ein Radarnetz mit 17 Stationen. Eine davon befindet sich derzeit in Flechtdorf (Kreis Waldeck-Frankenberg).

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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