Silbersee: Vermietergruppe wettert gegen Partytouren

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Feiernde Gruppen im Feriendorf? 22 Vermieter sind vehement dagegen.

Frielendorf. Die Interessengemeinschaft unabhängiger Grundstückseigentümer und Ferienhausvermieter Silbersee (IguGuF) hat ein Ersuchen an das Land Hessen abgegeben. Die 22 Unterzeichner wenden sich mit scharfen Formulierungen und Vorwürfen gegen die touristische Ausrichtung des Ferienwohnparks.

Bis zur Vorlage eines „nachhaltigen Tourismuskonzeptes“ soll nach Ansicht der Interessengemeinschaft jede „öffentliche Förderung an die Gemeinde unter Vorbehalt gestellt werden“.

Die Eingabe wurde dem Petitionsausschuss des Landtages und dem hessischen Wirtschaftsministerium zugestellt, erklärte Friedrich Löwer (Homberg) als Sprecher der Interessengemeinschaft. Er ließ der HNA-Redaktion das Schreiben zukommen. Wörtlich heißt es darin:

• „Die Gemeinde Frielendorf [...] sabotiert durch kommunales Handeln oder Nichthandeln unsere Vermietungsbemühungen.“

• „Die Gemeinde verfolgt dabei zum Schaden des Tourismusstandortes rücksichtslos und einseitig die Interessen einer Gruppe [...], deren wirtschaftliches Handeln im Wesentlichen auf die Ausrichtung von Flatrate-Partys und (illegaler) Diskothekenveranstaltungen am Silbersee gerichtet ist.“

Dies sind die Anträge der Gruppe:

1. Flatrate-Partys sollten unterbunden werden,

2. Landeszuwendungen für das Wellness-Paradies sollten überprüft werden, da die Gemeinde gegen den Zweck, die Tourismusförderung, verstoße,

3. der Gemeinde sollte weiteres Geld verweigert werden,

4. die Gemeinde sollte ein Tourismuskonzept erarbeiten, das auf den landschaftlichen und kulturellen Eigenheiten beruht.

In den anschließenen Erläuterungen erklärt die Gruppe, der Partytourismus am Silbersee führe zu regelmäßigen Polizeieinsätzen, Lärmbelästigung und Pöbeleien. „In diesen Zeiten ist es fast unmöglich, eine Vermietung an andere Zielgruppen wie Familien, Wanderer, Erholungsuchende und Wellnesstouristen vorzunehmen.“ Dem Standort werde schwerer Schaden zugefügt, Übernachtungszahlen seien folgerichtig zurückgegangen, die Förderung des Bades sei verfehlt. Die Grundstückseigentümer seien in mehrere Gruppen zerschlagen, das Insolvenzverfahren missachte die fachlichen Grundlagen der Touristik.

Die Unterzeichner stammen aus Homberg, Frielendorf, Fritzlar, Morschen und Spangenberg aber auch aus Ballungsräumen (Oberursel, Stuttgart, Koblenz und Essen). Mit der Petition ließ Friedrich Löwer unserer Zeitung auch ein Schreiben an Landrat Frank-Martin Neupärtl zukommen, das Thomas Waters (Puhlheim) von der Interessengemeinschaft Silbersee verfasst hat. Darin wird der Satzungsbeschluss der Gemeindevertretung zur Regelung von Tanz- und Musikabenden im Saal Silbersee wegen Befangenheit zweier Gemeindevertreter angefochten. Sie gehörten zu einer Gesellschaft in Gründung, die sich als Betreiber des Ferienwohnparks bewirbt.

Wie am 22. Juni berichtet, hat sich die Mehrheit (21 zu sechs) der Gemeindevertreter für eine Lockerung und Ausweitung der Zeiten für Veranstaltungen im Saal neben der Rezeption ausgesprochen. Bis drei Uhr darf nun dort gefeiert werden, auch in der Hochsaison. Nach Lesart von Eigentümer Waters bedeutet der Satzungsbeschluss einen wirtschaftlichen Vorteil für die einbezogenen Gemeindevertreter. Die Satzung sei rechtswidrig. Aus der ehemaligen Genossenschaft Ferienwohnpark Silbersee, die Insolvenz hatte anmelden müssen, haben sich drei widerstreitende Gruppierungen herausgebildet. Sie bewerben sich um eine Übernahme und den Weiterbetrieb beziehungsweise wollen unabhängig weitermachen.

An dem See gibt es über 100 Häuser und Ferienwohnungen, die in Privateigentum und in teilweise sehr unterschiedlichem baulichen Zustand sind. Ein großer Buchungspartner ist seit über 20 Jahren der Partyreisen-Veranstalter Müller (Münster). (aqu)

Quelle: HNA

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