Die Theologin Kirsten Bingel engagiert sich in der Feuerwehr Dagobertshausen

Sirene ruft auch Pfarrerin

Pfarrerin und Feuerwehrfrau in Dagobertshausen: Kirsten Bingel bei einem Einsatz in Sachen Brandschutzerziehung in der Astrid-Lindgren-Schule Malsfeld. Foto: Schaake

Dagobertshausen. Eine Pfarrerin als Feuerwehrfrau im Ehrenamt – das ist den Mitarbeitern der Brandschutzbehörde bei der Kreisverwaltung noch nicht untergekommen. Für die Seelsorgerin Kirsten Bingel indes ist das Mitmachen bei der freiwilligen Feuerwehr Dagobertshausen praktisch selbstverständlich.

Wie geht das: Hochwürden in der Feuerwehr? In der Frage stecken für die Pfarrerin längst überkommene Vorstellungen. „Uns geht es um Dienst am Nächsten“, sagt die 35-Jährige über ihren Beruf. Dazu gehört für sie ein offenes Pfarrhaus mit Spinnstubentreffen im eigenen Wohnzimmer ebenso wie der regelmäßige Übungsdienst im Feuerwehrhaus.

„Uns geht es um Dienst am Nächsten.“

Kirsten Bingel

Mit Brandschützern kam die gebürtige Mendenerin bereits als Jugendliche in Kontakt: bei Besuchen eines Onkels, einem aktiven Wehrführer. Erste Erfahrungen sammelte sie in der Jugendfeuerwehr. „Das fand ich immer klasse“, sagt die 35-Jährige, die bei einer Fortbildung in Sachen Notfallseelsorge dann vor nicht langer Zeit mit einer Drehleiter unterwegs war und sich dachte: „Da könnte ich wieder mitmachen.“

Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Feuerwehr Dagobertshausen gab’s dann eine Anfrage für einen Jubiläumsgottesdienst. Kirsten Bingel baute den direkten Kontakt aus, stieg bei der Ortswehr ein, absolvierte einen Grundlehrgang und wurde dieses Jahr zur Feuerwehrfrau befördert.

Das wirkt zurück aufs Amt der Pfarrerin. Denn wer wie Kirsten Bingel die Einsatz-Szenarien einer Feuerwehr aus eigener Erfahrung kennt, bewegt sich in der Notfallseelsorge sicherer – auch die gehört zur Aufgabe der Pfarrerin im Kirchspiel Dagobertshausen, die damit gleich zwei Feuerwehruniformen hat: eine im Spind des Gerätehauses und eine im Auto mit der Aufschrift Notfallseelsorge.

Tiermedizin wollte Kirsten Bingel nach dem Abitur studieren, weil die Sprachhürden fürs Theologiestudium ihr als zu hoch ausgemalt worden waren.

Um die Wartezeit auf einen Studienplatz zu überbrücken, absolvierte sie eine Ausbildung zur Biologisch Technischen Assistentin. Dann aber rückte ein Pfarrer das mit den Sprachhürden ins rechte Licht und die Sauerländerin studierte Theologie in Marburg, machte ihr Vikariat in Bad Wildungen und trat ihre erste Pfarrstelle in Dagobertshausen an.

Evangelisches Freizeitheim

Dort widmet sie sich jeder Menge Aufgaben, betreut unter anderem das evangelische Freizeitheim mit 26 Betten – und wenn Zeit bleibt, fotografiert sie, spielt Akkordeon, pilgert oder übt neuerdings Trompete, um demnächst mit anderen Musik zu machen. (lgr)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare