Insektenhotel selbstgemacht

Anleitung: So baut man ein Hotel für Bienen

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Ein Profi an Sachen Insektenhotel: Biologe Hans-Joachim Flügel aus Niederbeisheim hat in seinem Garten ein riesiges Insektenhotel. Dort gehen unter anderem Wildbienen und diverse Wespen ein und aus. 

Schwalm-Eder. Biologe Hans-Joachim Flügel erklärt, was Insekten für die Aufzucht ihres Nachwuchs brauchen und wie man ihnen dabei helfen kann. 

Bienen, Hummeln und Co. haben heutzutage nicht nur Schwierigkeiten, Nahrung zu finden. Auch die Orte, an denen sie ihre Larven aufziehen können, werden immer knapper. Totholz beispielsweise biete einen optimalen Unterschlupf – „aber es gibt immer weniger“, sagt Biologe Hans-Joachim Flügel vom Lebendigen Bienenmuseum in Knüllwald-Niederbeisheim. Totholz sei bei vielen Hobbygärtnern nicht gern gesehen, und abgestorbene Bäume würden direkt entfernt. Dabei seien Baumstümpfe optimale Kletterhilfen für andere Pflanzen wie Clematis.

In Flügels Garten nisten Hunderte von Wildbienen. 158 Wildbienenarten hat er bereits in seinem Garten nachgewiesen – im Botanischen Garten in München gibt es gerade einmal 100 Arten, erzählt Flügel stolz.

Bienenlarven: Sie schlüpfen bereits nach ein bis zwei Tagen aus dem Ei, das das Bienenweibchen ins Nest gelegt hat.

Um den Tieren eine Nisthilfe zu bieten, genügen einfache Gegenstände, erklärt er.

Was man braucht

Benötigt wird ein Kasten (beispielsweise ein ungenutztes Holzregal), Schilfrohrmatte und Hartholzstücke. Um außergewöhnliche Bienen anzulocken, kann man auch ein Löss-Lehm-Gemisch im Fachmarkt besorgen. Schilfrohr ist in jedem Baumarkt erhältlich. Ein Meter Schilfrohrmatte kostet etwa drei Euro. Außerdem braucht man eine Bohrmaschine, um das Totholz zu bearbeiten.

Die Umsetzung

In das Holz werden mehrere Löcher gebohrt. Diese sollten unterschiedlich groß sein, denn die verschiedenen Wildbienenarten haben unterschiedliche Ansprüche. Drei bis sechs Millimeter empfiehlt Flügel. Die angebohrten Holzstämme kommen mit den Bohrlöchern nach vorne in den Kasten. Die Schilfrohrmatten schneidet Flügel in etwa 30 Zentimeter lange Stücke, rollt sie auf und steckt sie mit der Öffnung nach vorne ins Insektenhotel. Wer Steilwandbewohner wie die Weiden-Seidenbiene anlocken will, kann einen rechteckigen Blumenkasten mit einem Lössgemisch füllen und nach dem Trocknen ebenfalls mit Löchern versehen. „Es dauert aber manchmal Jahre bis die Bienen das entdecken. Man braucht Geduld“, sagt Flügel.

Der Standort

Entscheidend dafür, dass die Insekten das „Hotel“ auch annehmen, ist der Standort der Nisthilfe. Sie muss so angebracht werden, dass die Morgensonne darauf scheint, sagt Flügel – also Richtung Osten.

Mit Lehm verschlossen: Schilfrohre, die besetzt sind, verschließen die Insekten.

Denn Bienen sind wechselmwarme Tiere. Werden sie gleich morgens, wenn es noch kühler ist, von der Sonne beschienen, dann können sie sofort ausfliegen und mit dem Sammeln von Nektar beginnen, erklärt Flügel. Ob mittags oder abends die Sonne aufs Insektenhotel scheint, sei nicht wichtig. Außerdem muss der Standort wind- und regengeschützt sein.

Weitere Tipps

Wer ein Insektenhotel baut, sollte darauf achten, dass die einzelnen Gegenstände austauschbar sind, sagt Flügel. Häufig verschimmelten die Larven in den Höhlen oder Parasiten nisteten sich ein. „Deshalb muss man Schilf und Holz regelmäßig austauschen.“ Die Insektenhotels, die man beispielsweise im Baumarkt kaufen kann, empfiehlt Flügel nicht. Denn diese seien nicht speziell für Wildbienen, sondern auch idealer Unterschlupf für Ohrwürmer. „Und die fressen die Bienenlarven auf.“ Außerdem könne man dort die einzelnen Teile nicht tauschen. 

Quelle: HNA

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