Fahrer unterschätzen die Gefahr

Sekundenschlaf birgt großes Unfallrisiko: So hält man sich während langer Autofahrten fit

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Gibt Tipps gegen Sekundenschlaf: Personal Trainer Enrico Haehnel 

Schwalm-Eder. 3562 Unfälle haben sich im vergangenen Jahr im Schwalm-Eder-Kreis ereignet. Folgt man einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes sind mindestens 18 Unfälle davon passiert, weil ein Auto- oder Lastwagenfahrer übermüdet hinterm Steuer saß.

Besonders jetzt in der dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr für Sekundenschlaf, warnt der ADAC. Denn fehlendes Sonnenlicht habe zur Folge, dass wir uns vermehrt müde und schlapp fühlen.

Laut Statistischem Bundesamt ereignen sich 0,5 Prozent aller Unfälle aufgrund von Müdigkeit. „Aber die Dunkelziffer ist wesentlich höher“, sagt Anna-Sophie Börries, Sprecherin vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Denn nur die wenigsten gäben zu, dass sie während der Fahrt kurz eingenickt seien, schließlich habe dies strafrechtliche Folgen. Mitglieder des DVR machten jetzt bei einem Aktionstag am Rasthof in Guxhagen auf die Gefahren von Sekundenschlaf aufmerksam. Seit 2016 gibt es die DVR-Aufklärungskampagne „Vorsicht Sekundenschlaf!“. Daran beteiligt ist auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. „Viele unterschätzen die Gefahr“, sagt Anna-Sophie Börries. „Einige sind noch stolz darauf, wenn sie die Autofahrt nach Italien ohne Zwischenstopp durchgefahren sind. Das ist unverantwortlich.“

Die Polizei im Schwalm-Eder-Kreis führe selbst keine Statistik darüber, wie viele Unfälle sich wegen Müdigkeit ereignen, sagt Polizeisprecher Markus Brettschneider. Es sei äußerst schwierig, Sekundenschlaf als Unfallursache nachzuweisen. Denn wer gebe schon zu, dass er kurz eingenickt sei. Deswegen geht auch er von einer hohen Dunkelziffer aus. Bei Lastwagen könne man zwar die Fahrtenschreiber auswerten, um zu sehen, wie lange die Fahrer bereits unterwegs sind, aber bei Autofahrern habe man kaum eine Chance. 

Sport in den Pausen hält fit

Wer 17 Stunden lang nicht geschlafen hat, dessen Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen entsprechen dem eines Fahrers, der unter einem Alkoholeinfluss von 0,5 Promille steht. „22 Stunden ohne Schlaf wirken sich auf den Körper sogar aus wie 1,0 Promille“, sagt Anna-Sophie Börries vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Beim Aktionstag „Vorsicht Sekundenschlaf!“ auf dem Euro Rastpark in Guxhagen gaben Mitglieder der Kampagne Tipps für lange Autofahrten.

Die Vorbereitung 

Wer eine längere Fahrt vor sich hat, sollte die Nacht vorher gut geschlafen haben, sagt Anna-Sophie Börries. Pausen sollten bereits vorher eingeplant werden. „Mindestens alle zwei Stunden.“ Nachtfahrten sollte man grundsätzlich vermeiden. „In dieser Zeit neigen wir eher zum Einschlafen, weil es unser Körper so gewohnt ist.“

Die Symptome

Die ersten Anzeichen für Müdigkeit solle man ernst nehmen, betont Anna-Sophie Börries. „Wenn die Augen immer schwerer werden, wenn sie brennen und schon der Tunnelblick einsetzt, sollte man unbedingt am nächsten Parkplatz eine Pause machen.“ Mit offenem Fenster zu fahren oder einfach einen starken Kaffee zu trinken, reiche nicht aus.

Die Pausen 

Mindestens alle zwei Stunden soll man eine Pause einlegen, sagt Anna-Sophie Börries. Die sollen mindestens zehn bis zwanzig Minuten dauern und möglichst aktiv gestaltet werden. „Man sollte sich an der frischen Luft bewegen, um den Kreislauf anzuregen“, sagt Personal-Trainer Enrico Haehner, der ebenfalls beim Aktionstag in Guxhagen mit dabei war. Gut geeignet seien Kniebeugen, Dehnungsübungen und Liegestütze am Auto. Auch eine Massage der Schultern durch den Beifahrer könne Wunder bewirken. Aber: „Schlaf ist das A und O“, sagt Anna-Sophie Börries. Power-Napping, also ein kurzer Schlaf von einigen Minuten sei sinnvoll, um wieder Energie zu tanken. Dauere die Fahrt sehr lange, müsse aber dringend ein Stopp mit Übernachtung eingelegt werden.

Quelle: HNA

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