Tapetenwechsel im Elbenberger Pfarrershaus: Stefanie Knüppel zieht ein

Auf dem Sofa Seelen leeren

Die Couch ist Programm: Das Seelsorge-Sofa ihrer Oma steht nun in Stefanie Knüppels Arbeitszimmer. Foto: Schleichert

Elbenberg. Sie ist angekommen. Ein Plakat mit der Aufschrift „Willkommen“ ziert den Aufgang zum Elbenberger Pfarrhaus, Luftballons tanzen im Wind, so leicht, als hätten die Elbenberger nie an der Ankunft von Stefanie Knüppel gezweifelt.

Doch ihr Weg nach Elbenberg war steil und kurvig: Abitur, Lehramtsstudium, Ausbildung zur Physiotherapeutin, Studium der Theologie – Stefanie Knüppel hat nach zwanzig Jahren ihre Bestimmung gefunden. Morgen wird die Pfarrerin ihrer ersten Gemeinde vorgestellt: Den Protestanten in Elbenberg und Altendorf. „Ich bin sehr glücklich“, sagt die 38-Jährige immer wieder und ihr sonniges Gemüt überstrahlt das Novembergrau.

„Du meine Seele singe – so heißt eins meiner liebsten Kirchenlieder. Meiner Seele ist gerade zum Singen zumute.“

Stefanie Knüppel Pfarrerin

Ihre Berufung fand sie dort, wo sie zunächst nicht suchte: im Elternhaus in Fritzlar-Lohne. Stefanie Knüppel, Pfarrerskind und Pfarrersenkelin, scheute sich vor dem einen Schritt, der so nahe lag.

„Pfarrersfamilien führen kein normales Leben“, sagt Knüppel, „von dem halb-öffentlichen Leben brauchte ich als junger Mensch Abstand.“

Mit 38 Jahren ist Stefanie Knüppel zurückgekehrt. Nicht zu Gott, dem war sie immer nah, doch zurück in ein Pfarrhaus. Mit ihrem Mann, ihrem achtjährigen Sohn und dem Kind in ihrem kugelförmigen Bauch wagt sie den Neuanfang – eine Familie im Umbruch. Im Flur des Pfarrhauses schlängeln sich Bauarbeiter und durch Türme von Umzugskartons. Die Spur des Chaos verliert sich im Arbeitszimmer, das schon eingerichtet ist. Der Raum trägt ein frisches Farbkleid und beherbergt ein massives Antik-Sofa. „Das Sofa meiner Oma“, sagt Knüppel.

Vor Jahrzehnten stand das Ungetüm in der Stube der Pfarrersfrau, die später Stefanie Knüppels Großmutter wurde. „Sie war Seelsorgerin“, erzählt Knüppel, „und begleitete die Menschen der Gemeinde durchs Leben.“ Schwingt da Bewunderung in ihrer Stimme? „Ja“, sagt sie, „meine Großmutter ist mein Vorbild.“

Die Couch der Oma ist ein beseeltes Möbelstück: Viele Menschen haben auf diesem Sofa ihren Kummer ausgeschüttet – und viele weitere sollen ihre Seele leeren: „Ich will für die Menschen da sein“, sagt Knüppel mit den Worten ihrer Großmutter.

Stefanie Knüppel wird am morgigen Sonntag, 7. November, ab 14 Uhr in der Altendorfer Kirche begrüßt.

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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