Verdi diskutierte über das Gesundheitswesen – Patient muss wieder in den Mittelpunkt

Solidarität statt Gewinne

Diskussionsrunde: Über Gesundheit sprachen von links Dr. Dieter Conrad, Horst Neid, , Klaus Bölling, Moderatorin Kerstin Hinkelthein und Herbert Weisbrod-Frey. Foto: Thiery

Schwalm-Eder. Mehr Solidarität und weniger Gewinnstreben im Gesundheitssektor. Das forderte Herbert Weisbrod-Frey, vom Verdi-Bundesvorstand. Der Experte für Gesundheitsfragen sieht Chancen, dass das bisherige System bestehen kann. Damit traf er die Meinung seiner drei Mitstreiter auf der Verdi-Podiumsdiskussion in der Melsunger Stadthalle.

Horst Neid, Leiter der AOK Kassel, Dr. Dieter Conrad vom Hessischen Hausärzteverband und Klaus Bölling, Betriebsratsvorsitzender der Asklepios-Kliniken, diskutierten mit Weisbrod-Frey über die Zukunft des Systems mit der Herausforderung der demografischen Entwicklung.

Das Interesse an der Veranstaltung, zu dem der Verdi-Ortsverein Schwalm-Eder eingeladen hatte, war gering: Nur 14 Menschen waren am Freitagnachmittag bereit, sich Details über das Thema anzuhören, durch das Kerstin Hinkelthein (Verdi Osthessen) als Moderatorin führte.

Sie fragte die Experten nach dem Stand der Dinge und Lösungen. „Die Kopfpauschale muss rückgängig gemacht werden und wir brauchen ein Konzept in Richtung Bürgerversicherung“, so sieht Weisbrod-Frey die Zukunft.

Zusatzbeiträge, Kostenvorerstattung und die Kopfpauschale sind ihm ein Dorn im Auge. Das sei eine Klientelpolitik der Regierung und führe weg von der solidarischen Finanzierung des Gesundheitswesens. Das sah auch Horst Neid von der AOK so. Auch wenn die Kosten der Krankenkassen wegen der Überalterung der Gesellschaft noch steigen werden, will er am Solidarprinzip festhalten. „Das System ist gut, andere beneiden uns darum, und es hat 130 Jahre funktioniert.“ Der Gesundheitsmarkt setze im Jahr 654 Milliarden Euro um, das Geld müsse nur gerechter verteilt werden.

Das Problem des Ärztemangels auf dem Land beleuchtete Dr. Dieter Conrad. Er bemängelt, dass der Beruf des Hausarztes so unattraktiv geworden sei, weil er zu schlecht bezahlt werde. Es gebe zwar genügend Ärzte, aber zu wenig Hausärzte. Es sei für den Nachwuchs lukrativer, Facharzt zu werden. Die Politik müsse Anreize schaffen und den Beruf attraktiver machen.

Auch der einst so beliebte Pflegeberuf sei höchst unattraktiv geworden, sagte Klaus Bölling, Betriebsratsvorsitzender der Asklepios Kliniken. „Die Anforderungen steigen und die Burn-Out-Fälle häufen sich auch bei uns.“ Das Pflegepersonal in den Kliniken sei überlastet und im Zuge der Privatisierung vieler Krankenhäuser schlecht bezahlt, weil die Tarifverträge gekündigt und Personal entlassen wurde. „Von 1996 bis 2009 wurden 50 000 Stellen in der Pflege abgebaut, die Zahl der Patienten stieg dagegen“, rechnete er vor. Er wünscht sich dass der Patient in den Mittelpunkt rücke, und nicht der Markt. (zty)

Quelle: HNA

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