Die Felsberger Vorstandsvorsitzende Inge Fleischhut-Wolf war zehn Jahre lang die einzige Frau an der Spitze

Solistin in der Männerwelt tritt ab

Felsberg. Inge Fleischhut-Wolf hat das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt und hat seit Jahren hessenweit als einzige Frau an der Vorstandsspitze eines Geldinstituts in der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen gearbeitet. Am Weltspartag geht die Felsbergerin in den Ruhestand, heute wird sie offiziell verabschiedet.

Bis Ende dieser Woche bildet Inge Fleischhut-Wolf mit einer Kollegin aus Thüringen im 14-köpfigen Bezirksobmännerausschuss der Sparkassen-Finanzgruppe mit 50 Mitgliedsbanken die Frauen-Fraktion. Dabei hat die 65-Jährige als Obmann mit der Männerwelt nie Probleme gehabt, ebenso wenig mit ihren Zeugnissen, in denen ihr die Berufsabschlüsse als Bankkaufmann, Sparkassenfachwirt und Sparkassenbetriebswirt bescheinigt werden.

Ihren gelungenen Berufsweg ist die Felsberger Sparkassenchefin in guter Zusammenarbeit mit den Männern gegangen - und hat dabei im Personalmanagement jede Menge bewegt: Arbeiteten zu ihrem Berufsstart 1961 bei der Stadtsparkasse Felsberg sechs Männer und zwei Frauen, so stellen heute nach der Ära Fleischhut-Wolf die Hälfte der 42-köpfigen Belegschaft die Frauen.

Ein Quäntchen Glück gehört wohl dazu, wenn man einen derart erfolgreichen Berufsweg hinter sich hat wie die gebürtige Felsbergerin, die ihre Schulzeit in der Stadtschule Felsberg und der Friedrich-List-Schule in Kassel verbrachte und deren Ururgroßvater 1848 Mitgründer der Felsberger Sparkasse war. Ein Pluspunkt war für die Mutter einer 30-jährigen Tochter sicherlich, einen Lehrer geheiratet zu haben, der nachmittags zuhause arbeitete.

Ganz sicher aber waren es neben ihren vielen Qualifikationen - im Geschäftsbetrieb der Stadtsparkasse gibt es nichts, was die 65-Jährige nicht gemacht hat - Ehrgeiz und Mühe, die Inge Fleischhut-Wolf bereits 1991 in den Vorstand hievten und 2003 zur Vorstandsvorsitzenden machten. Und immer war die Felsbergerin konzentriert und hellwach bei der Sache, wie Dr. Michael Auge von der Sparkassen-Finanzgruppe die Bankerin beschreibt.

Die Arbeitszeit der 65-Jährigen lag stets bei mehr als 50 Stunden pro Woche. Nicht eingerechnet sind die vielen Abende und Wochenenden, an denen Inge Fleischhut-Wolf im Namen ihres Geldinstituts bei Geburtstagen gratulierte, Vereinen Spenden übergab oder zu Gast bei Dorffesten war.

Zu erkennen war sie bei solchen Terminen meist leicht. Denn bei der Farbe ihres Blazers setzt die Felsbergerin stets auf Sparkassenrot.

Wer so viel gearbeitet hat wie Inge Fleischhut-Wolf, braucht für Ruhestandspläne Zeit: „Ich will erstmal ein Jahr Pause machen, um alles zu sortieren“, sagt die 65-Jährige, die ihren Arbeitsplatz am Weltspartag allerdings bereits mit ein paar Ideen im Hinterkopf verlassen wird: Die Bankerin, die sich in Geldangelegenheiten weit besser auskennt als mit den Finessen der deutschen Sprache, will vielleicht noch Germanistik studieren.

Deutschland erkunden

Schwimmen, laufen und Gymnastik stehen ohnehin auf dem Plan. Und im November geht’s vielleicht mit der Familie schon auf eine kleine Deutschlandreise. Die Rechnungen dafür wird sie über die Stadtsparkasse begleichen, der Inge Fleischhut-Wolf künftig als Kundin ebenso treu bleiben wird wie dem Förderverein Böddiger Berg als Kassiererin. Auf eines freut sie sich schon lange: Morgens nicht mehr auf die Uhr schauen zu müssen, weil der Berufsalltag ruft.

Von Lorenz Grugel

Quelle: HNA

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