Wo der Tod alltäglich ist

Somalier Adam Yusuffarah ist seit fünf Jahren allein auf der Flucht

In der Unterkunft beliebt: Adam Yusuffarah wohnt mit Flüchtlingen und deren Kindern in Wolfhagen Tür an Tür. Die Familie des Somaliers ist in seiner Heimat zurück geblieben. Foto: Ricken

In unserer Adventsserie orientieren wir uns in diesem Jahr an der Weihnachtsgeschichte. Aus ihr haben wir die zentralen Elemente herausgesucht und sie in die heutige Zeit übertragen. Maria und Josef waren Flüchtlinge. Sowie viele Menschen, die derzeit in der Pommernanlage leben.

Wolfhagen. Adam Yusuffarah ist aus dem Paradies geflüchtet: Kilometerlange Strände, türkisfarbenes Wasser, Wüste, Steppe und Dschungel. Doch, wo die nackte Angst herrscht und der Tod alltäglich ist, rückt die Naturkulisse in den Hintergrund.

„In Somalia tobt seit vielen Jahren Bürgerkrieg. Die Milizen regieren die Städte und Dörfer und die Piraten beherrschen das Meer“, sagt der 26-jährige Mann, der vor vier Monaten in die Wolfhager Flüchtlingsunterkunft gekommen ist. Seit fünf Jahren ist der Somalier auf der Flucht, per Bahn, per Schiff, gehetzt wie ein Tier. Sein größter Weihnachtswunsch: „Ich möchte in Deutschland zur Ruhe kommen und Teil der Gemeinschaft werden.“

Er ist nicht der einzige. Jeder der derzeit 83 Asylbewerber in der Flüchtlingsunterkunft träumt davon. 36 Flüchtlinge in Wolfhagen und elf in Zierenberg sind diesem Traum schon ein bisschen näher gerückt. „Sie konnten inzwischen Wohnungen beziehen“, sagt Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn. 312 Menschen wohnen im Landkreis Kassel in Flüchtlings- unterkünften in Wolfha- gen, Vellmar, Fuldatal, Nieste, Helsa und Trendelburg.

In Wolfhagen werden es ab Januar noch mehr werden. Die zweite Mannschaftsunterkunft ist inzwischen hergerichtet. Platz ist für 90 weitere Personen. Damit können in Wolfhagen 180 Asylbewerber untergebracht werden.

Von 312 Flüchtlingen im Kreis kommen 99 aus Somalia, dem Heimatland von Yusuffarah. Die Menschen aus dem ostafrikanischen Raum hätten durch politische und religiöse Verfolgung tendenziell eine größere Chance auf Asyl, als beispielsweise die Balkan-Flüchtlinge, sagt Kühlborn. Aus Afghanistan kommen 81, aus Serbien 61 und aus Eritrea 58 Asylbewerber. Es folgen 50 aus dem Iran und 24 jeweils aus Syrien und Pakistan.

Bei einigen Flüchtlingen in der Wolfhager Unterkunft stehen kleine Weihnachtsbäume in den Zimmern. Yusuffarah ist Moslem. Die Geschichte von der Geburt Jesus in Bethlehem kennt er dennoch. Was viele nicht wüssten, im Koran werde ausführlich von Maria, Josef und der Geburt Jesu berichtet.

Quelle: HNA

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