Nur noch sehr wenige Kollegen in der Region

Sommer auf den Dammwiesen - Schäfer Ewald Feußner berichtet

Erstmal nicht auf die Weide: Ewald Feußner hält ein frisch geborenes Lämmchen auf dem Arm. Das Mutterschaft hat zwei Lämmer bekommen, so dass der Schäfer sie zunächst ein paar Tage in den Stall bringt, bis sie kräftiger sind. Foto: Schittelkopp

Schwalmstadt. „Ich habe einfach einen Narren an Schafen gefressen“, sagt Ewald Feußner aus Erksdorf (Stadtallendorf). Der 53-Jährige arbeitet seit 18 Jahren als Schäfer im Landkreis. Seine 600 Schafe halten die Schwalmstädter Wiesen am Damm und am Flugplatz kurz.

Doch mit seinem Beruf ist er mittlerweile fast allein auf weiter Flur.

Laut des Veterinäramtes arbeiten im Schwalm-Eder-Kreis nur noch drei hauptberufliche Schäfer. „Im Kreis Marburg gibt es noch zwei“, sagt Feußner. Der Schäfer- und Schafhalterverein Ziegenhain habe sich aufgelöst, der ehemalige Vorsitzende Georg Tschepa aus Zella: „Es fehlt einfach am Nachwuchs.“

Konkurrenz aus Übersee

Diese Erfahrung teilte auch der Stadtallendorfer Schäfer. Denn das Schäferleben bedeute vor allem eines: viel Arbeit. Täglich von 11 bis 19 Uhr steht er bei den Tieren auf der Weide, vorher versorgte er bereits die Mastlämmer im Stall. „Freie Tage und Urlaub habe ich nicht“, fügt der gelernte Kfz-Mechaniker an. Problematisch stelle sich für die Schäfer dar, dass sie kaum noch ihren Lebensunterhalt von den Erträgen des Fleisches und der Wolle bestreiten können. Subventionen kommen von der EU.

„Die Schäfer aus Neuseeland können viel billiger produzieren“, gibt Feußner zu bedenken. Er habe auch Merinoschafe, von denen bringe die Wolle noch ein wenig Geld ein. Obwohl sich Lammfleisch derzeit dank zahlreicher Kochsendungen, wie Ewald Feußner vermutet, großer Beliebtheit erfreut, verdienen die Schäfer nicht viel daran. Am teuersten sei das Fleisch der vier Monate alten Mastlämmer aus dem Stall, doch deren Futter sei so kostenaufwendig, dass der Gewinn schrumpfe.

„Das Beste für die Schafe ist sowieso, wenn sie draußen sind“, so der Schäfer. Seine Tiere sind das ganze Jahr über im Freien. Er zieht zwischen Stadtallendorf, Schwalmstadt und dem Vogelsbergkreis umher. Die Tiere seien kräftiger und gesünder als im Stall: „Für mich gibt es keine natürlichere Haltung.“ Den Sommer verbringt die Herde auf den Dammwiesen. „Die Tiere trampeln den Damm fest und halten das Gras kurz.“ Abends treibt Ewald Feußner die 600 Tiere mit seinen drei Hunden in ein Gatter, „ohne die Hunde könnte ich nicht arbeiten.“

„Ich kann mir nichts anderes vorstellen“, sagt der 53-Jährige an. Den ganzen Tag über beobachtet der seine Herde: „Irgendwo ist immer was los.“ Seine Pappenheimer kenne der Schäfer sehr gut: „Tiere die immer ausbüxen oder eine schwere Geburt hatten, habe ich besonders im Blick“, erzählte er.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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