Sommerwerkstatt Michelsberg: 32 Kreative werkeln unter Profi-Anleitung

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Dauergast bei der Sommerwerkstatt Michelsberg: Jana Seifert aus Berlin kommt seit 20 Jahren zum Malen.

Michelsberg. Im Wald bei Michelsberg hat Carmen Schlosser gegraben - und Ton gefunden. Jetzt steht ihre erste Skulptur aus dem Naturmaterial vor ihr auf dem Tisch. „Ich finde es toll, dass es hier keinen Leistungsdruck gibt", sagt eine von insgesamt 32 Teilnehmern der Sommerwerkstatt Michelsberg.

Noch bis Samstag werden die Kreativen unter professioneller Anleitung werkeln und arbeiten, Gedanken und Ideen austauschen. Neben Malerei und Holzbildhauerei wird in diesem Jahr, anknüpfend an die Michelsberger Töpfertradition, zum ersten Mal die freie künstlerische Bearbeitung von Ton angeboten. Das Material stammt aus dem historischem Tonvorkommen des Ortes. Claire Tourolle aus Montpellier, freischaffenden Künstlerin, begleitet die Teilnehmer.

„Ich mache Vorschläge, aber sie sind keine Pflicht. Es soll nach Herzenslust geschaffen werden“, erklärt die Französin. Jeder Teilnehmer habe verschiedene Zugänge zum Material: „Wir wollen mit dem Ton spielen“, sagt die Künstlerin. Damit gespielt hat auch die erst fünfjährige Sonja Wegener aus Edermünde, die ihre Mutter nach Michelsberg begleitet. Neu ist diesmal auch die räumliche Nähe der Künstler. In der Scheune des Kunsthauses ist man mit Farbe und Pinsel kreativ, im ehemaligen Dorfladen ist das Töpferatelier untergebracht. Und im verbindenden Garten haben sich die Holzbildhauer unter einem Zelt ihre Arbeitsplätze eingerichtet.

„Es ist schön, dass die Teilnehmer auch immer schauen können, was die anderen machen und sich austauschen können“, sagt Organisatorin Delia Henss. Zum sechsten Mal arbeitet Lukas Freudel aus Darmstadt mit dem Werkstoff Holz. Künstlerin Gabriele Boulanger steht den Teilnehmern zur Seite, wenn die Hände schmerzen oder wenn sich das Material windet und wehrt. Unterm Scheunendach wagt sich Petra Gerlach an eine großformatige Leinwand. „Dreck und Purpur“ heißt das Thema.

Die Bad Emstalerin war bei der ersten Sommerwerkstatt vor mehr als 20 Jahren dabei. „Die Landschaft hier ging mir nie aus dem Kopf. Ich musste einfach nochmal wieder kommen“, erzählt sie. Behutsam fließt sattes Blau aus ihrem Pinseln, ungestümes Rot und Orange stupft sie zaghaft auf die Fläche. Jana Seifert (36) aus Berlin kommt tatsächlich regelmäßig in jedem Jahr in die Schwalm. „Mit 16 war ich zum ersten Mal hier.“ Noch hadert Jana Seifert mit ihren Werken, ist unzufrieden und drückt dies lebhaft aus.

„Alle sagen, ich wäre immer so. Das ist wahrscheinlich ein wichtiger Prozess, um das Bild auch annehmen zu können“, ist die Berlinerin überzeugt.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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