Eröffnung: 40 Stickerinnen zeigen Volkskunst im Museum der Schwalm

Ausstellung in Ziegenhain: Fantastisches aus feinen Fäden

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Organisatoren, Kursleiterinnen und Helfer: Erika Koch, Brigitte Braun, Elisabeth Stübing, Eckhard Knauff (Kreis), Barbelies Schäfer, Karl Ludolph, Irene Horn und Klaus Langner (von links) Nicht auf dem Foto ist Regina Wickert.

Ziegenhain. Elisabeth Stübing hat das Herz einer Löwin. Dessen ist sich nicht nur Museumsleiter Konrad Nachtwey sicher. Auch Erika Koch von der Volkshochschule war am Sonntag voll des Lobes für die Ziegenhainerin. Elisabeth Stübing hat die Sonderausstellung zur Schwälmer Weißstickerei konzipiert.

Am Sonntag war Eröffnung – mit viel Resonanz. Nicht alle Besucher fanden noch einen Platz.Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Volkshochschule, ein Begleitprogramm in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk. Passend zu Feinfädigem gab es auch Feinsinniges: Das Duo Rininsland verzauberte mit Gitarren- und Mandolinenklängen.

Andachtsübung für Nonnen

Einführende Worte fand Friederike von Strenge aus Nausis. Sie gab einen kurzen Einblick in die kulturhistorische Bedeutung der Weißstickerei. Einst waren es Nonnen, die das Sticken im 13. Jahrhundert unter anderem als Andachtsübung für sich entdeckten. Während später überwiegend Frauen die feinen Fäden verarbeiteten, gab es im 14. Jahrhundert auch Männer, die Seiden- und Goldfäden in den Stoff woben. Aus dem Mittelalter stammen erste Stickmustersammlungen.

In der Schwalm erfeuten sich die so genannten Nadelspitzen – ein spezieller Stich – großer Beliebtheit. „Zu sehen häufig an Kappenschnüren“, erläuterte von Strenge. Viele Trachtenteile der Schwälmer wurden aufwendig verziert: „Die Braut musste ihrem Bräutigam zur Hochzeit ein reich verziertes Männerhemd liefern“, erklärte die Expertin. Die Tulpe – eines der häufigsten Motive in der Weißstickerei – hielt erst im 17. Jahrhundert Einzug. Ältere Teile erkennt man am Motiv des Granatapfels.

Neue Blütezeit

Nach dem Ersten Weltkrieg verloren die Schwälmer das Interesse an der Weißstickerei. „Die Menschen trugen kaum noch Tracht“, sagte von Strenge. Zu einer neuen Blütezeit verhalfen ihr Alexandra Thielmann, die in Willingshausen eine Stickwerstatt gründete und Frauen wie Thekla Gombert aus Ziegenhain, die die Technik lehrte.

Seit den 1960er-Jahren gibt es regelmäßige Kurse. Zur Ausstellung ist ein Katalog entstanden. Für die Realisierung ist Eckhard Knauff vom Kreis verantwortlich. Der Katalog kostet 9,50 Euro und ist im Museum erhältlich.

Von Sandra Rose

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 20. Mai im Museum der Schwalm, dienstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr

Quelle: HNA

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