Beim Fest der leisen Töne auf dem Höllchen nahmen zahlreiche Besucher im Open-Air-Wohnzimmer Platz

Hunderte Besucher beim Fest der leisen Töne in Dörnberg

Dörnberg. Warum bloß ist nicht jedes Wochenende Fest der leisen Töne? Vielleicht, weil es dann nichts Besonderes mehr wäre, dieses kleine, feine Festival, das die Habichtswalder nicht umsonst ihr Juwel nennen.

So freut man sich jedes Jahr aufs Neue, wenn Strohballen rauf zum Höllchen gebracht werden und sich das idyllische Waldstück oberhalb Dörnbergs für drei Tage in ein musikalisches Open-Air-Wohnzimmer verwandelt. Strohballen statt Sofa, Bühne statt Flimmerkiste. Musik umschmeichelt nonstop die Ohren, sie liefert einen bunten Soundtrack zu der gemütlichen Runde am Lagerfeuer und dem verträumten Blick rauf zum Sternenhimmel. Ja, es ist wirklich so etwas wie ein Juwel, und an Strahlkraft hat das Fest der leisen Töne auch im 26. Jahr nichts verloren.

Ob der bayerische Liedermacher-Spaßvogel Christoph Weiherer, Chansonier Markus Zosel oder Phonogranite, Jennes und Spielfeld mit ihrem Akustik-Pop: schon der Auftaktabend am Freitag hätte lauschiger nicht sein können. Der „Grandseigneur der Tönefeste“, Heinrich Vogelrohr, war natürlich auch dabei, ohne den 76-jährigen Dörnberger und sein Orgelspiel ist das Fest schließlich nicht mehr denkbar.

Das gilt auch für das Kinderprogramm am Samstag: Herr Müller und seine Gitarre, Moglis Zaubershow und jede Menge spannende Artistik am Stand von Ednoki-Mondo sorgten für strahlende Kinderaugen, das Bühnenprogramm tat selbiges bei den Erwachsenen. Die Black Harmonists entführten a Capella in vergangene Zeiten, Stimmbänd zeigte, wie sich a Capella Pop heute anhört. Mit Trollius Weiß, Jeff Aug und Trailhead gab es die leisen Töne, die dem Fest einst seinen Namen gaben.

Und dann war da noch Wasteland Green, die Berliner Band, die zum mittlerweile dritten Mal am Höllchen sang. Man könnte annehmen, den Veranstaltern falle nichts Neues mehr ein, doch weit gefehlt: Die Festivalmacher sind schlicht dem Charme dieses Trios erlegen, das es mit süßen Songperlen irgendwo zwischen Folk, Pop, Jazz und Country versteht, sein Publikum zu verzaubern. Wasteland Green webt akustische Musik in ganz eigener Farbe, bringt Songs zurück auf das Wesentliche und ist nicht nur dank Frontfrau Susanne Werth ein besonderes Erlebnis. Augen zu und ab in die musikalische Traumwelt.

Aus der tauchten die mehreren hundert Besucher gern wieder auf, als die Evil Flames Fire Company zum umjubelten Finale rief. Längst auf den großen Bühnen der Nation angekommen, ist und bleibt ihr Zuhause doch Habichtswald, der Auftritt beim Tönefest Pflichttermin im rappelvollen Terminkalender. Samusamu und Tinu wirbelten ihre Flammen durch die Abendluft, bewiesen eindrucksvoll, dass Feuer nicht nur heiß, sondern pure Leidenschaft und irgendwie auch Rock’n’Roll ist. Ein funkelndes Gesamtkunstwerk, wie das Fest der leisen Töne selbst. Ein Juwel eben.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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