Neonazi-Mordserie verunsichert Türken und der Begriff "Döner-Morde" ärgert sie

Sorge der Muslime wächst

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Gesprächsstoff nach dem Gebet: Bei der islamischen Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis sorgt die Neonazi-Mordserie für Unsicherheit. Unser Bild stammt aus Duisburg.

Borken. Schon den Begriff findet Recep Akdag unwürdig: Döner-Morde. "Das wird den Menschen die sterben mussten, nicht gerecht", sagt der Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Borken. Der Begriff sei falsch.

Die Nachrichten von der Neonazi-Mordserie haben auch bei den Türken im Schwalm-Eder-Kreis für Unsicherheit gesorgt, sagt Akdag. "Es ist nicht unser Thema Nummer eins, aber es ist ein Thema, über das wir uns unterhalten und das uns Sorge bereitet", erzählt er.

Zu viele Jahre habe man die rechte Gewalt in Deutschland unterschätzt. "Darüber wurde nicht gesprochen und im Fall der Mordserie wurde offensichtlich nicht einmal daran gedacht", sagt er. "Es wurde der Eindruck erweckt, dass es eine Angelegenheit unter Türken ist. Das ist eigentlich eine Schande", sagt Akdag. Allerdings freue sich die islamische Gemeinde in Borken nun darüber, dass man der Aufklärung der Fälle näher komme. Doch hätten die Täter nach jetzigem Stand eher gefasst werden müssen.

Grundsätzlich müsse man mehr für den Zusammenhalt der Ausländer und der Deutschen tun. "Im Schwalm-Eder-Kreis fühlen wir uns recht sicher", sagt er. "Hier wird offen miteinander gesprochen auch wenn es Probleme mit Rechten gibt. Man nimmt uns hier ernst", sagt Akdag. Er arbeite im Projektausschuss von "Gewalt geht nicht" mit.

Durch diese Initiative habe man im Landkreis große Erfolge erzielt. Doch die rassistischen Morde jetzt erinnern ihn an die Übergriffe in Mölln und Hoyerswerda. "Wir müssen über diesen rechtsradikalen Rassismus sprechen, viel mehr, als das bisher der Fall ist." Gut sei, dass jetzt die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werde. Schlecht wäre, wenn diese Aufmerksamkeit nur kurz anhalte. "Man muss an dem Thema dran bleiben", fordert Akdag. Denn Rechte gebe es überall, in der Politik, in der Schule, beim Verfassungsschutz und auch bei den nächsten Nachbarn.

Er hoffe auf die Solidarität der meisten Deutschen, denn die seien nicht gegen Ausländer. Er hofft auch, dass der Islamunterricht an hessischen Schulen eingeführt wird. "Das ist auch ein Weg, um den islamischen Teil von Deutschland anzuerkennen."

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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