Wenn das Freibad geschlossen wird, könnten Besucher wegbleiben

Sorge um Zukunft des Spangenberger Campingplatzes

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Sie kommen aus Kassel: Die Familie Zander gehört zu den Stammgästen auf dem Spangenberger Campingplatz.

Spangenberg. Pächter Uwe Trinter sorgt sich um die Zukunft des Spangenberger Campingplatzes. Für viele Gäste sei das direkt nebenan gelegene Freibad der ausschlaggebende Grund dafür, dass sie ihre Zelte in der Liebenbachstadt aufschlagen. Doch:

Sollte aber die Stadt aufgrund ihres hohen Schuldenstands das Bad am Ende der nächsten Saison tatsächlich schließen, müsse er sich Gedanken um seine Existenz machen, sagte Trinter. „Wenn deswegen viele Gäste den Platz wechseln, dann wird es unrentabel für mich.“

Noch ist der Campingplatz ein Anziehungspunkt für viele Menschen aus der Region. Zum Beispiel für Rita und Klaus Rimbach. Sie haben im vorigen Jahr etwas getan, das sie bis heute keine Sekunde bereut haben: Das Ehepaar aus Oberzwehren hat sich einen Dauerplatz auf dem Spangenberger Campingplatz gekauft. "Das war eine der besten Entscheidung unseres Lebens", sagt Rita Rimbach.

Früher hätten sie viele Länder besucht und in jedem Sommer "wie die Sardinen in der Dose" am Strand gelegen. Heute, sagt Rita Rimbach, könne sie sich solche Reisen nicht mehr vorstellen: "Was war das für ein Stress!"

Den Begriff Stress kennen die 61-Jährige und ihr Mann nun nicht mehr, wenn sie in den Urlaub wollen: Der Weg von der Haustür bis zum Wohnwagen dauert keine halbe Stunde, und auch auf dem Platz selbst ist Stress eher ein Fremdwort. "Hier geht es sehr geruhsam zu", sagt Klaus Rimbach. Nicht einmal die Fortbewegungsmittel auf dem Platz sind laut: Viele Camper sind mit winzigen Elektro-Mofas unterwegs, sausen mit ihnen von Wohnwagen zu Wohnwagen oder auch in den nächsten Supermarkt.

Die meisten der 50 Dauercamper stammen aus Kassel oder Umgebung. Und fast alle kommen seit Jahr und Tag. "Die Treue zum Campingplatz ist groß", sagt Platzwart Uwe Trinter. Der 54-Jährige leitet die direkt neben dem Freibad gelegene Anlage seit neun Jahren, kennt alle Gäste mit Vornamen, versorgt sie morgens mit frischen Brötchen und tagsüber mit freundlichen Worten.

Das alles und die stressfreie Atmosphäre kommt bei den Campern gut an: "Die Stimmung hier ist gut, die Kinder glücklich, der Urlaub günstig", sagt Andreas Zander. Der Stellplatz in Spangenberg kostet 600 Euro im Jahr – warm duschen inclusive.

Zanders Frau Sabrina ist auf dem Spangenberger Platz quasi aufgewachsen, sie verbrachte bereits mit ihren Eltern ungezählte Ferienwochen in Spangenberg. Mit ihrem Sohn Finn (7) wächst nun schon die dritte Generation auf dem Platz heran.

Auch Günter und Olgica Wille kommen seit Jahrzehnten nach Spangenberg. Das Kasseler Ehepaar hat einen großen Stellplatz, den es sorgfältig pflegt: Olgica Wille ist mit vielen Gartengeräten im Einsatz, rund um Wohnwagen und Vorzelt blühen viele Pflanzen.

"Wir kommen so oft es geht hierher", sagt Günter Wille. Spangenberg ist für den 72-Jährigen zwar längst zweite Heimat aber auch kein Ersatz fürs Reisen. Die Willes fahren gerne an den Liebenbach, aber mindestens genauso gerne in die Karibik. "Da kennen wir uns auch gut aus", sagt Olica Wille.

Michael Mell aus Melsungen liebäugelt nicht mit der Karibik, wohl aber mit dem Gedanken, sich wie sein Freund Andreas Zander einen Platz zu kaufen. So ganz sicher ist der Melsunger aber noch nicht, ob er wirklich den Schritt vom häufigen Besucher zum Dauercamper wagen soll. Vielleicht sollte er wegen dieser Entscheidung einfach mal mit Rita und Klaus Rimbachs sprechen.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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