Vom späten Glück

Hinrich Schäfer tritt mit 47 Jahren seine erste Pfarrstelle in Hülsa an

Freut sich auf seine neue Arbeit: Pfarrer Hinrich Schäfer zieht ins Hülsaer Pfarrhaus ein. Foto:Thiery

Hülsa. Er ist jetzt endlich dort angekommen, wo er hingehört: So sagen es seine Freunde. Pfarrer Hinrich Schäfer tritt mit 47 Jahren seine erste Pfarrstelle in Hülsa an. Erfahrung mit der Kirche hat er aber schon lange, er war neben seinem ersten Beruf als Elektroingenieur 25 Jahre ehrenamtlich als Lektor und Prädikant tätig.

Am Sonntag, 9. November, ab 10 Uhr hält er seinen ersten Gottesdienst in der Hülsaer Kirche.

Als Geschäftsmann lernte er die Welt kennen, vertrieb Pressen für die Automobilindustrie. Heute Peking, morgen New York. Er war ein Jetsetter. Jetzt freut er sich auf ein ruhiges Leben und darauf, die ländliche Idylle zu genießen, seine vier Bienenvölker in den neuen Pfarrgarten zu holen und sich sonst um seine „Schäfchen“ zu kümmern.

Der Weg dorthin war lang. Interessiert habe er sich schon immer für den Beruf des Pfarrers, wollte als junger Mann Theologie studieren, hat dann aber doch die Laufbahn als Ingenieur eingeschlagen und den elterlichen Betrieb in Wilhelmshausen bei Hann. Münden übernommen.

Die Kirche habe ihn aber immer gereizt, über 70 Gottesdienste hat er in seiner Freizeit als Lektor gehalten. Und Pfarrer zu werden, blieb immer ein Wunsch. Er sei offen und kontaktfreudig und gern mit Menschen zusammen.

„Im Pfarrberuf erlebt man die Menschen in Schwellensituationen, Geburt, Hochzeit, Tod“, sagt er. Er wolle Freud und Leid mit den Leuten teilen.

Als dann 2007 das erste berufsbegleitende Studium der Theologie in Marburg angeboten wurde, griff er endlich zu. „Das war die letzte Chance, sonst wäre der Zug abgefahren gewesen“, sagte er. Kurzerhand blieb er zu Hause, kümmerte sich um die beiden Kinder und den Haushalt. Seine Frau ist ebenfalls Pfarrerin und hatte damals eine Stelle in Hofgeismar, mittlerweile lebt das Paar allerdings getrennt.

So wird er zunächst allein in das große Pfarrhaus in Hülsa ziehen. Hinrich Schäfer betreut das Pfarramt Knüllwald 2 mit Hülsa, Ellingshausen und Nausis, Appenfeld, Hergetsfeld, Wallenstein und Steindorf. Vor kurzem wurde er ordiniert, sein Vikariat absolvierte er in Bad Arolsen.

Große Verantwortung 

Dass er mit dem späten Studium nun dieses Glück habe, sei auch ein wenig Folge der Nachwuchssorgen der evangelischen Kirche. Auch sie klage über zu wenige Pfarrer, obwohl immer mehr Stellen abgebaut würden. Das sei nun auch bei den Protestanten angekommen. Nicht allein das Zölibat, wie bei der katholischen Kirche vermutet, sei schuld am Nachwuchsmangel.

Der Pfarrberuf bringe eine große Verantwortung mit sich. Man sei immer dienstbereit und stehe in der Öffentlichkeit. Das schrecke viele junge Leute ab. Er aber weiß um die Freude, die eine echte Berufung einem Menschen schenken kann.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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