50 Besucher bei Gesprächsabend

Spangenberg als neue Heimat: Syrische Flüchtlinge schilderten Schicksal

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In Spangenberg berichteten syrisch-kurdische Flüchtlinge von ihrem Schicksal: von links Yamen Agha, Raed Habasch, Omar Omar, Farhad Chikhmous und Tariq Alashkar zusammen mit Ulrike Richter von der Flüchtlings-AG. Anhand der Landkarte zeigten sie, wo ihre Heimatstädte in Syrien liegen, und auf welchen Wegen sie selbst nach Deutschland flüchteten.

Spangenberg. Sie sind aus ihrer Heimat geflohen - jetzt leben sie in Spangenberg. Flüchtlinge aus Syrien berichteten jetzt über ihr Schicksal.

Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man etwas aus den Medien über den Krieg in Syrien erfährt, oder ob man Menschen zuhört, die von dort flüchten mussten und ihre Heimat verloren. Diese Erfahrung machten jetzt auch die über 50 Besucher, die auf Einladung der Spangenberger Flüchtlings-AG zum Gesprächsabend in den Burgsitz kamen.

Dort sollten kurdische Syrer von ihrer Odyssee berichten, die nun erstmal in Spangenberg endete. Da aber der eigentlich geplante Raum die Besucher gar nicht alle fassen konnte, zogen sie kurzerhand in den nahen Gemeindesaal um.

Seit zwei Monaten leben acht syrisch-kurdische Männer und eine syrische Familie mit drei Kindern im Haus Moll am Marktplatz. Teils auf Arabisch, teils auf Englisch schilderten die Asylsuchenden ihre Odyssee, die sie nach Spangenberg gebracht hatte.

Farhad Chikhmous arbeitete als chemischer Ingenieur, er stammt aus dem Norden Syriens. Bei den Kämpfen gegen das Assad-Regime wurde die Fabrik zerstört, in der er arbeitete. Er floh mit seiner Familie in seine Heimat, das kurdische Grenzgebiet zur Türkei - bis die IS-Truppen kamen.

Kein Strom, kaum Wasser 

Spendenkonto der Flüchtlings-AG: Kreissparkasse Schwalm-Eder, DE13 52052154 006000 4025, HELADEF1MEG.

Um nicht zwangsweise zum Militär rekrutiert zu werden, flüchtete er: 11 000 Euro zahlte er an die Schlepper, die ihn auf einen Lastwagen verfrachteten. Frau und Sohn blieben nahe der türkischen Grenze zurück. „Die Lebensbedingungen dort sind schlecht. Es gibt keinen Strom, kaum Wasser, kaum Essen“, berichtete er. Sobald sein Asylgesuch anerkannt ist, will er seine Familie nach Deutschland holen.

Yamen Agha (24) riskierte bei der Flucht sein Leben: Sie führte ihn von Damaskus, wo er Geologie studierte, nach Libyen, wo er ein Boot nach Sizilien bestieg. Von dort reiste er ohne Pass und Visum nach Deutschland. Zusammen mit den sieben anderen Syrern teilt er sich jetzt eine Wohnung. Fast entschuldigend sagt er: „Es tut mir leid, dass ich illegal nach Deutschland gekommen bin. Es ging nicht anders.“ Er will unbedingt Deutsch lernen - so wie die anderen syrischen Flüchtlinge in Spangenberg auch - und dann weiter studieren. Die Männer wollen Arbeit finden, am liebsten in ihren Berufen.

Die Spangenberger wollten vor allem eines wissen: wie man helfen könne. Ulrike Richter zeigte Möglichkeiten auf. Gesucht werden Paten für die Kinder, Menschen, die schulische Unterstützung geben wollen und Winterkleidung. Auch Geld-Spenden sind willkommen.

Von Petra Schaumburg-Reis

Quelle: HNA

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