Waldstein-Quartett spielte Mozart und Messiaen in Fritzlar

Spannung war spürbar

Überzeugten mit feinen Nuancen im Spiel: Die Musiker des Waldstein-Quartetts traten im Fritzlarer Rathaussaal auf. Foto: Dürr

Fritzlar. Das Waldstein-Quartett begeisterte am Freitag die Zuhörer im historischen Rathaussaal in Fritzlar bei einem Konzert zum Tag des offenen Denkmals.

Henning Vater (Violine), Anton Säckl (Klarinette), Frank Scheller (Violoncello) und Jona Kümper (Klavier) interpretierten unter dem Titel „Mozart und das Ende der Zeit“ das Klavierquartett KV 487 von Wolfgang Amadeus Mozart sowie „Quartuor pour la fin du temps“ (Quartett zum Ende der Zeit) in acht Sätzen von Olivier Messiaen.

Beide Werke waren zu ihrer Zeit ein Novum. Mit dem Klavierquartett schuf Mozart eine neue Gattung: eine Symbiose aus Kammermusik und konzertanter Idee. Dass die Bratsche durch eine Klarinette ersetzt wurde, war aus der Not heraus geboren, da man keinen Bratschisten finden konnte.

Das Blasinstrument fügte sich wunderbar zwischen die beiden Streicherklänge ein und gab dem Stück eine neue Färbung. An dem Spiel der vier Musiker hätte Mozart seine Freude gehabt: Mit Leichtigkeit, jugendlicher Frische und feinen Akzentuierungen in Tempi und Lautstärken hinterließen sie einen nachklingenen Eindruck in die Pause hinein.

Mit Spannung dann erwartet: Messiaen. Wie würde das Publikum auf diese moderne Musik reagieren? Messiaen hat es in der Zeit seiner Gefangenschaft 1940/41 in Görlitz-Moys komponiert. Es ist die Vertonung der ersten sieben Verse aus der Offenbarung des Johannes.

Die Komposition fordert von den Musikern das Äußerste. Das Klavier tritt als wiederkehrender Begleiter in Klängen auf, die oft ein Glockenspiel in einem Kirchturm nachahmen. Immer wieder sich wiederholende Sequenzen, kleine Melodien, fahle bis rauschende Töne lassen Bilder entstehen von einer anderen Welt. Die Einigkeit des Ensembles in der künstlerischen Ausgestaltung nahm die Zuhörer vom ersten Ton an gefangen, und es entstand eine knisternde Spannung, die fast mit Händen greifbar war.

Außer dem Klavier treten die anderen Instrumente solistisch auf. Die Klarinette interpretiert den Abgrund der Vögel: ein Spiel mit Intervallen und Tonlängen, die an- und abschwellend zu einem Rauschen als Nebengeräusch führen. Cello und Violine musizierten über einer wiederkehrenden Klavierbegleitung jeweils in ungewöhnlich langsamen, bis ans Äußerste zur Spannung führenden Tönen.

Dabei kommt der Violine die Aufgabe zu, den letzten Satz, Lobpreis der Unsterblichkeit Jesu, zu musizieren. Endlos wiederholen sich in kleinen Änderungen Melodiebögen, lange Töne, die schließlich in höchster Tonhöhe aufs Leiseste enden. Es dauert eine Weile, bis der Zuhörer begreift: Das Stück ist zu Ende.

Der herzliche Applaus konnte nur mit einem Komponisten belohnt werden: Es erklang eine 6-stimmige Fuge Bachs.

Von Agnes Dürr

Quelle: HNA

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