Nur Automaten bleiben

Kunden verärgert: Sparkasse zieht Mitarbeiter aus Herkules in Homberg ab

+
Geld gibt es am Automaten, Beratung nicht: Mati Coehn und Marga Fischer.

Homberg. „Ohne Sparkasse fehlt ihnen was.“ Dieser Satz steht groß auf einem Transparent in der Filiale der Kreissparkasse im Herkules-Markt im Homberger Osterbach. „Das stimmt und ist zugleich blanke Ironie“, sagt Marga Fischer. „Die Filiale wurde geschlossen, hier sind nur noch Automaten.“

Genau das ärgert nicht nur Marga Fischer. Verstehen kann die 63-Jährige diese Entscheidung nicht. „Hier ist immer viel los“, sagt sie und zwei weitere Kunden, die namentlich nicht genannt werden wollen, stimmen ihr zu. Gerade für ältere Menschen sei die Filiale ein Stück Lebensqualität gewesen. „Sie müssen jetzt bis in die Innenstadt fahren, um dort ihre Bankgeschäfte zu erledigen“, sagt Fischer. Immer mehr Kunden lassen ihrem Ärger freien Lauf.

Zu ihnen gehört auch Linda Conrad. „Man kann keine Überweisungsbelege mehr einwerfen und muss jetzt alles am Computer machen“, erklärt sie und spricht von einer Servicewüste. Nicht jeder komme mit den Computern klar und man benötige Beratung bei Bankgeschäften, sagen andere Kunden. Sie planen, eine Unterschriftenliste für den Erhalt des Serviceangebotes auszulegen. Zwei Tage in der Woche sollte wenigstens ein Ansprechpartner in der Filale zu erreichen sein, so lautet ihre Forderung.

Sollte man damit kein Erfolg haben, könnte doch eine andere Bank in das Einkaufszentrum einziehen, sagt ein verärgerter Kunde. Beratung fehlt ihnen Die Beratung fehle einfach, sagt Mati Coehn. Er betreibt ein Geschäft im Einkaufszentrum. Er sagt, dass sich täglich viele Kunden über die Schließung beschweren.

Außerdem sei die Information über die Reduzierung des Angebots nicht an alle betroffenen Kunden gegangen, betont Marga Fischer. Sie will sich auch weiterin für die Filiale im Herkules-Markt stark machen. Die Kreisstadt habe schon zu viel verloren. „Amtsgericht, Krankenhaus, Bundeswehr“, so Fischer. Jetzt sei es genug. „Wir müssen um den Erhalt der Filiale kämpfen. Denn ohne Sparkasse fehlt uns was.“

Das sagt Michael Sack ...

... von der Kreissparkasse Homberg

Nirgends im Landkreis sei die Kreissparkasse so stark aufgestellt wie in Homberg, sagt Michael Sack, Marktleiter der Kreissparkasse in Homberg. Die Sparkasse nehme ihren Auftrag sehr ernst. Es sei nicht richtig, von einer Schließung der Filiale im Osterbach zu sprechen. „Wir sind dort mit unseren Selbstbedienungsautomaten vertreten“, sagt er. Dadurch sei der Service für die Kunden gegeben. Zudem sollte man ältere Menschen nicht unterschätzen, betont er. Die Mitarbeiter, die bislang im Osterbach eingesetzt waren, seien weiterhin bei der Sparkasse.

Man habe sie in die Niederlassung versetzt. Sie seien für die Kunden ansprechbar – nur nicht direkt im Osterbach, aber an der Drehscheibe. Das sei nötig geworden, weil der Beratungsaufwand gestiegen sei. 600 Briefe habe er selbst unterschrieben und an die Kunden verschickt, um sie über den Abzug der Mitarbeiter zu informieren. Es sei schade, dass sich einige Kunden nicht gut informiert fühlten.

„Wir sind unserer Informationspflicht aber nachgekommen.“ Für die Kunden sei zum Beispiel das Ausfüllen von Überweisungen am Automaten günstiger, als die Abgabe von Belegen. Eine Beratung an vereinzelten Tagen hält Sack nicht für praktikabel. „Das trägt nicht zur Zufriedenheit der Kunden bei.“ (may)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare