Gespräche am Gartenzaun: In Ermetheis steht der Dorfladen auf der Kippe

Am Dorfteich: Ortsvorsteher Frank Metzler (von links), Manfred Arlitt, Norbert Dietz, Günther Werner und Manfred Grede.

Bei unserer Serie „Gespräche am Gartenzaun“ besuchen wir Dörfer in der Region. Bei einem Rundgang haben wir uns im Niedensteiner Stadtteil Ermetheis umgesehen und mit den Bewohnern gesprochen.

Ermetheis. Am nördlichsten Zipfel des Schwalm-Eder-Kreises wohnen 711 Menschen eingebettet vom Habichtswald mitten in der Natur. Um die große Kirche ist es menschenleer, auf die große Kasseler Straße verirrt sich an diesem heißen Sommertag kaum jemand. Auch im Dorfladen Ermetheiser Spatz, ist heute wenig los, obwohl es im Geschäft bei Petra Metzler angenehm kühl ist.

Im Spatz: Elsbeth Martin (links, 59) kauft gerne im Dorfladen bei Petra Metzler ein. Im Hintergrund steht Manfred Arlitt vor der Backwaren-Abteilung. Fotos: Hartung

In dem alten Fachwerkhaus kaufen die Ermetheiser seit 13 Jahren unter anderem Salat, Wurst, Süßigkeiten und Getränke. „Viele alte Leute kaufen extra immer nur ein halbes Brot, damit sie am nächsten Tag wiederkommen können“, erzählt Metzler. Aber der Laden und damit auch der Treffpunkt der Ermetheiser kämpfe Tag für Tag ums Überleben. Würden die Einnahmen nicht bald steigen, rentiere sich das Geschäft nicht mehr.

An der Germaniastraße wird es dann etwas lauter. Jano (7) und Maxie (3) spielen bei Oma Dorothee Pranz (63) im Planschbecken und toben im Garten. Auch die vierjährige Isabella Polotzek von gegenüber ist mit dabei. Seit 37 Jahren wohnen die Pranz’ in Ermetheis. Der 69-jährige Hellmuth Pranz, der in Kassel Kunst studiert hat, hat im Haus ein eigenes Atelier mit Gemälden. Außerdem verbirgt sich im Hause Pranz etwas, was nicht jeder zuhause hat und auch nicht haben will: ein echter Totenkopf.

Als das Kloster in Alsfeld saniert wurde, entdeckten die Arbeiter die menschlichen Überreste. Hellmuth Pranz sicherte sich als 15-Jähriger den Schädel. „Der stammt vermutlich von einem Mann, der mit 30 Jahren irgendwann nach dem 30-Jährigen-Krieg gestorben ist“, erzählt Pranz. Ein komisches Gefühl habe der Gedanke, einen echten Totenkopf im Haus zu haben, nie bei ihm ausgelöst.

Wieder mehr Kinder 

Jano und Maxie haben mittlerweile eine andere Beschäftigung gefunden - das große Trampolin im Garten der Polotzeks. Isabellas Eltern sind vor sieben Jahren nach Ermetheis gezogen. „Ich bin in Kassel in der Brückenhofsiedlung groß geworden“, erzählt Jennifer Polotzek (29). „Unseren Kindern wollen wir etwas anderes bieten, deshalb sind wir hierher gezogen.“ In letzter Zeit würden wieder vermehrt junge Leute nach Ermetheis ziehen, erzählt der Ortsvorsteher Frank Metzler. „Es gibt zum Glück wieder mehr Kinder.“

Kasseler Künstler: Hellmuth Pranz (69) hat in seinem Atelier in Ermetheis neben vielen Gemälden auch einen echten Totenkopf.

Die Langenbergstraße geht steil hinauf, die Häuser sind älter, aber recht gut in Schuss. Auf der linken Seite ragt ein Basaltkegel in die Luft. „Vielleicht kann man hier mal einen kleinen Wasserfall anlegen“, überlegt Metzler laut.

An der Hegenbergstraße stoppt Metzler auf dem Bürgersteig. „Das hier kann richtig gefährlich werden, da kann man stürzen“, sagt er und zeigt auf einen fehlenden Pflasterstein. Die Gehwege seien alt. „Wir müssen sehen, wie viel der nächste Haushalt hergibt.“ An der Hegenbergstraße wohnt auch der 36-jährige Matthias Martin mit seiner Frau Sarah. Seit seiner Geburt lebt Martin im Ort und ist seit kurzem Vorsitzender des Skiclubs Ermetheis. Als schneesicherster Ort Niedensteins hat Skifahren hier nämlich Tradition. Von ihrem Balkon haben die Martins einen sagenhaften Blick. Bei klarer Luft können sie sogar den Borkener Wasserturm sehen. „Wenn ich von der Arbeit aus Kassel komme, fühle ich mich wie im Urlaub.“

Quelle: HNA

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