Neue Kunst im Dorfmusem Holzburg: Ausstellung von Lioba Abrell und Elke Mark

Das Spiel mit Alltäglichem

Aus alten Schirmstoffen wird neue Kunst: Elke Mark, hier mit Sohn Samuel (6), zeigt noch bis Ende Juli in Holzburg außergewöhnliche Skulpturen aus Alltagsgegenständen. Fotos:  Rose

Holzburg. Moderne Kunst trifft auf Schwälmer Tradition: Das ist das Rezept, mit dem Klaus Hahn, Vorsitzender des Vereins Schwälmer Dorfmuseum Holzburg und Dr. Anton Merk die Ausstellungskultur bereichern möchten.

Den Titel „Neue Kunst“ trägt eine Auswahl von Skulpturen und Plastiken der Künstlerinnen Elke Mark und Lioba Abrell, die ab sofort im Museum zu sehen ist. Am Sonntag wurde die Ausstellung eröffnet – pünktlich zur Fertigstellung zweier Räume im Obergeschoss des Gasthauses Wahl.

Die Künstlerinnen, die beide in Kassel studierten und bereits in Merks früherer Galerie ausstellten, haben eines gemeinsam – den spielerischen Umgang mit Alltagsgegenständen. Mark arbeitet mit Schirmstoffen, Abrell mit Steinen und Papier. Die Stapelung von Stoffen erinnere etwa stark an die übereinander getragenen Schwälmer Röcke, erläuterte Merk.

Ein Hauch von Marylin Monroe verströme hingegen die Installation der metallenen Schirmgestelle, an denen die Schirmstoffe locker nach unten hängen – bewegt von der emporwirbelnden Luft eines Ventilators. „So entstehen Figuren, die sich aus Raum und Oberfläche definieren“, sagte Merk. Aus dem Schirmstoffen sind ebenso originelle Sitzmöbel und Skulpturen entstanden. Den Bogen zur Schwalm spannte Merk mit Leichtigkeit: „Der Schirm hatte für die Frauen hier eine besondere Bedeutung. Ohne Schirm gingen sie nicht aus dem Haus, denn Regen hätte ihre Röcke zerstört.“

Steine aus dem Allgäu

Lioba Abrell, die wegen einer Erkrankung des Sohnes nicht bei der Eröffnung dabei sein konnte, zeigt in Holzburg zerbrochene Steine. „Die hat sie aus dem Flussbett der Iller quasi zusammen gepuzzelt“, erläuterte Merk. Die unbearbeiteten Quader hat die Künstlerin zart umhüllt, „mit Fäden aus Omas Nähkästchen“.

Die seien quasi Anknüpfungspunkte zur Schwälmer Tracht, verdeutlichte der Kunsthistoriker. Denn Fäden – die der Schwälmer Stickerei – seien wichtigstes Element des Kunstbetriebes. Die schwäbischen Steine stünden jedoch im starken Kontrast zu den filigranen und hauchzarten Papierschalen der Künstlerin, die an zerbrochene Eierschalen erinnerten. Die Museumsbesucher bummelten entspannt durch die Ausstellung und ließen sich vom Team des Cafés mit selbst gebackenem Kuchen verwöhnen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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