In Dörnberger Kindertagesstätte sind Puppen, Lego, Kuscheltiere und Co. derzeit tabu

Kinder in der Kita Dörnberg spielen ohne Spielsachen

Ziehen an einem Strang: Mädchen und Jungen der evangelischen Kindertagesstätte Dörnberg beschäftigen sich seit Anfang Mai ohne herkömmliches Spielzeug.

Habichtswald. Spielzeug? Fehlanzeige – in der evangelischen Kindertagesstätte Dörnberg verzichten die Mädchen und Jungen derzeit auf Puppen, Holzbausteine, Lego und Co. „Außer Stiften, Scheren, Kleber, Papier und Pappe gibt es nichts“, sagt Leiterin Helga Waldeck. Und Letzteres auch nur auf Anfrage.

Warum die 65 Kinder der Einrichtung bereits seit dem 2. Mai darauf verzichten, erklärt die Kita-Leiterin: „Ziele der spielzeugfreien Zeit sollen sein, dass die Kinder lernen, mit wenig und kostenlosem Material zu spielen und sich gegenseitig ohne Spielzeug wahrnehmen.“ Hintergrund der Aktion, die am 15. Juli endet, ist das Thema Kinderarmut, mit dem sich die Mitglieder der vier Kirchengemeinden im Kirchkreis Wolfhagen momentan beschäftigen.

Daher geht es während der drei Monate nicht nur um spielen ohne Spielzeug. „Wir sprechen mit den Kindern auch über das Thema“, sagt Helga Waldeck. Was ist Armut, wann bin ich arm und wie passiert das? Das sind Fragen, die die Erzieherinnen mit den Mädchen und Jungen diskutieren. „Wenn man krank wird und nicht mehr arbeiten kann, dann wird man arm“, lautete eine der Antworten, berichtet die Kita-Leiterin.

Helga Waldeck

Jetzt, nach vier Wochen ohne Spielzeug, haben sich die Kindergartenkinder daran gewöhnt, dass sie die Ideen aus sich selbst heraus finden müssen. „Sie lernen, sich nicht hinter demSpielzeug zu verstecken“, sagt Helga Waldeck. Und: „Sie definieren sich so über sich selbst und nicht mehr über das, was sie haben.“ Ansätze, die auch an die Inhalte der Drogenprävention angelehnt sind und dazu führen, das Selbstbewusstsein zu stärken. Eine weitere positive Begleiterscheinung der spielzeugfreien Zeit ist laut Waldeck die erhöhte Kommunikation: Es würde viel mehr miteinander gesprochen als zuvor.

Und wie genau verbringen die Zwei- bis Sechsjährigen nun ihren Kindergartentag? „Mit Rollenspielen, verstecken, Geschichten erzählen, selbst erfundenen Spielen“, nennt Helga Waldeck einige Beispiele. Außerdem gehen sie viel nach draußen. Und auch auf dem Freigelände gilt: kein Spielzeug. Dafür entdecken die Kinder Naturmaterialien wie Steine und Stöcke neu und beschäftigen sich damit.

Welches Spielzeug ab Mitte Juli dann wieder seinen Platz in den jeweiligen Gruppenräumen findet, sollen die Kinder selbst entscheiden. „Wir hatten die Aktion schon einmal vor drei Jahren“, erzählt die Leiterin. Und damals hätten die Kinder nach der spielzeugfreien Zeit gar nicht mehr so viel haben wollen. Und das war ein großer Erfolg. Denn: „Sie lernen dadurch zu schätzen, was sie haben. Sie können Langeweile aushalten, ohne ständig zu konsumieren“, nennt Helga Waldeck weitere Ziele der Zeit ohne Spielzeug.

Quelle: HNA

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