Karl Mihm war zehn Jahre alt

Spielen auf dem US-Panzer: Als die Amerikaner in Malsfeld einmarschierten

Keine Angst vor dem Panzer: Karl Mihm (im Bild hinten) und ein Freund kletterten auf dem Fahrzeug herum, dass die Amerikaner bei Elfershausen zurückgelassen hatten. Foto:  Archiv

Malsfeld. Es gibt nur wenige Fotos vom Ende des Zweiten Weltkriegs – und das Bild, das der Malsfelder Karl Mihm bis heute aufbewahrt hat, ist erst recht eine Rarität.

Denn es zeigt einen abgeschossenen amerikanischen Panzer, den die US-Armee 1945 nahe Elfershausen zurückgelassen hatte.

„Die Amerikaner wollten nicht, dass abgeschossene US-Militärfahrzeuge fotografiert werden“, sagt Mihm. Denn das passte nicht zum Bild der Siegermacht. Dass zu dieser Zeit überhaupt fotografiert wurde, war eine Seltenheit. „Wer hatten denn auf den Dörfern schon einen eigenen Fotoapparat? Das war etwas Besonderes“, sagt Mihm.

Kamera im Kohlenkeller 

Und wer einen Fotoapparat hatte, musste diesen eigentlich abgeben. „Bei Nichtabgabe drohten hohe Strafen“, erinnert sich Mihm. Seine Mutter aber versteckte den Fotoapparat – eine Agfa-Box – im Kohlenkeller. Und so konnte festgehalten werden, wie der damals zehnjährige Karl Mihm und ein Freund von ihm auf dem verlassenen US-Panzer herumkletterten. „Ich habe mich in den Turm des Panzers gesetzt“, erzählt Mihm.

Als sich die Amerikaner Malsfeld näherten, ging ihnen eine Cousine von Mihm zusammen mit zwei Männern entgegen und schwenkte eine weiße Fahne. „Sie haben den Amerikanern versichert, dass in Malsfeld keine deutschen Soldaten mehr waren.“ Das war ein Glück, sagt Mihm heute: „Wenn in Malsfeld geschossen worden wäre, hätte man wahrscheinlich den ganzen Ort platt gemacht.“

Der heute 80-jährige Mihm erinnert sich noch gut an den Einmarsch der Amerikaner: „Wir haben uns im Luftschutzkeller unseres Hauses versteckt.“ Doch die Neugier trieb ihn auf die Straße: „Ich wollte gucken, was los war.“ Ein amerikanischer Jeep mit Soldaten darin rollte vorbei – „das war das erste Mal, dass ich einen Schwarzen gesehen habe“, erzählt Mihm.

Amerikanische Soldaten drückten ihm ein Päckchen mit allerlei Schätzen in die Hand: Schokolade, Kaugummi, Zigaretten, Kaffee-Extrakt und Kekse. „Meine Mutter hat mir aber verboten, etwas davon zu essen – sie hatte Angst, dass der Inhalt vergiftet sein könnte.“ Dieses Misstrauen müsse man verstehen, sagt Mihm: „Das war damals für uns der Feind.“

Er habe als Junge keine Erleichterung darüber empfunden, dass der Krieg vorbei war: „Ich war enttäuscht, dass wir den Krieg verloren hatten. Wir waren da als junge Menschen drauf eingeschworen worden, da hat man dran geglaubt.“

Enttäuscht war Mihm auch, als er sah, wie die geschlagenen deutschen Soldaten durch Malsfeld zogen und ihre Waffen in den Bach warfen, der durch den Ort floss. „Ich hatte eine ganz andere Vorstellung von unseren Soldaten“, sagt der 80-Jährige.

Quelle: HNA

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