Spielleute des Musiktheaters Dingo aus Hofgeismar waren in Fritzlar zu hören

Stilsichere Gäste: Heinz Guderjahn, Caterina Gerhard, Annette Mucker, Gundula Gretenhard, Simone Vogel. Vorne Josefine Jäger.

Fritzlar. Es waren nicht gerade vertraute Klänge, die am Samstag durch den Fritzlarer Stiftssaal schwebten: Die Spielleute des Musiktheaters Dingo aus Hofgeismar und Minnesänger Knud Seckel erhellten die dunkle Zeit des Mittelalters.

Frauen und Männer in bunten Gewändern sangen mit ausdrucksvollen Stimmen seltsame, faszinierende Melodien. Andere bliesen Instrumente wie die Cornamuse (Holzblasinstrument) und das Hümmelchen (Sackpfeife) oder spielten die Gitarrenlaute, das Glockenspiel, die Rahmentrommel und die Cister (Zupflaute). Sie alle interpretierten die eigentümliche Schönheit der überlieferten Musik und die Texte der Troubadoure, Trobairitz und Minnesänger. Auf dem reizvollen musikalischen Streifzug erlebten 50 Zuhörer die lyrischen Seiten dieser Epoche.

In einfachen, aber auch herrlichen Klangbildern bekam das Publikum einen Einblick in die Kunst der Troubadoure. Mit der Drehleier untermalte Knud Seckel kunstvoll seine Stimme.

Zarte, besinnliche Töne schlug Claudia Heidl an, als sie den Geliebten herbei träumte und ihn im goldenen Schlafgemach gefangen halten wollte. Herrlicher, raffinierter ein- und mehrstimmiger Gesang erklang in einem Loblied auf Maria, die Mutter Gottes.

Dass es im Minnesang auch deftig zu gehen konnte, bewiesen Susanne Schmidt und Gerda Weinreich mit Körpersprache und Mimik. Zickig stritten die beiden, wie man einen Mann dazu bekommt, dass er um sie wirbt.

Den zweiten Konzertteil bestimmten Musikstücke der deutschen Minnesänger. Ihre großartige Stimme brachte Dagmar Jahn in dem Stück „Es stunt ein Frouwe alleine“ zum Ausdruck. Dass der Minnegesang auch Einflüssen unterlag und sich fortentwickelte wurde im Lied „Die Trappgans“ hörbar. Gerda Weinreich sang die Parodie auf ein Falkenlied zunächst im Solo. Dann fielen andere kraftvoll in den Gesang mit ein, ehe das Stück in einer Art Echo leise verklang.

Im Finale zogen Solist Knud Seckel und die Musiker des Ensembles alle Register und ließen zupackenden Melodien und Rhythmen hören. Den außergewöhnlichen Musikabend belohnte das Publikum mit viel Applaus.

Mit seiner warmen Atmosphäre ist der Stiftssaal ein guter Ort für intime Kammerkonzerte. Er bietet der Musik Raum, um sich zu entfalten und entwickelt nur wenig Hall. Dennoch kämen die Künstler auf einer Bühne besser zur Geltung. Schön anzusehen waren Gäste, die sich im Stil der Zeit gewandet hatten.

Quelle: HNA

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