Der Spießturm bietet grandiose Aussichten

An mittelalterlicher Handelsstraße: Vom Spießturm aus blickt man Richtung Kellerwald und Mosenberg, bei günstigen Wetterlagen noch viel weiter. Der alte Wartturm steht in der Nähe der Straße zwischen Spieskappel und Obergrenzebach. Fotos: Grede

Spieskappel. Im Mittelalter lag der Spießturm an einer bedeutenden Handelsroute, und wie vermutlich die Menschen seit vielen Jahrhunderten atme auch ich tief durch, wenn ich den stillen Wächter vor dem Wald zwischen den beiden Frielendorfer Ortsteilen Spieskappel und Obergrenzebach sehe.

Der alte Wartturm markiert nicht nur Start und Ziel meiner regelmäßigen Laufrunden, seit 20 Jahren ist er für mich auch sichtbares Zeichen für das Nachhausekommen.

Denn einst markierte das trutzige Bauwerk die Grenze zwischen Ober- und Niederhessen. Und immer noch unterscheiden die Menschen zwischen diesseits und jenseits des alten Zollturms. Deutlich wird das unter anderem in den Dialekten, die „vor und hinter“ dem Spießturm gesprochen werden. Höre ich als Nordhessin in Spieskappel und den nördlicheren Dörfern die vertrauten Klänge meiner Kindheit, muss ich mich in Obergrenzebach anstrengen, die Schwälmer Mundart meiner Nachbarn zu verstehen.

Es ist der Hauch der Geschichte, der dort heute noch spürbar ist. „Der Spießturm mit all seinen historischen Ereignissen ist ein Markstein unserer Heimatgeschichte“, sagt der Spieskappeler Hobbyhistoriker Karl Schmidt. Durch den Schlag am Spieß führte im Mittelalter die Straße „Durch die langen Hessen“, erzählt er. Die alte Handelsstraße führte von Frankfurt bis nach Thüringen.

Der Grenzturm entstand circa 1430 im Zuge der Kämpfe gegen Mainz und die mit ihm verbündeten Ziegenhainer. Der hessische Landgraf Ludwig I. errichtete das Bauwerk. Als Befestigungsanlage unwichtig wurde der Turm, als 1450 der letzte Graf von Ziegenhain erbenlos starb und die Grafschaft Ziegenhain an Hessen fiel.

Karl Schmidt

Doch für die hessische Geschichte blieb der Turm von Bedeutung: Mehrfach kam in den folgenden Jahrhunderten der hessische Landtag auf der Höhe zwischen Spieskappel und Obergrenzebach zusammen. Geschlichtet wurde von dort aus auch der Teilungsstreit der nach dem Tode Landgraf Ludwigs I. zwischen seinen Söhnen in Kassel und Marburg entbrannt war.

Landgraf Philipp teilte 1534 am Spießturm den Landesständen seinen letzten Willen mit. Später wurde er von Kaiser Karl V. verhaftet. Am Spieß traf sich die hessische Ritterschaft, um über die Verwaltung des Hessenlandes während seiner Abwesenheit zu beraten. Nach seinem Tod wurde dort auch sein Testament bekannt gegeben.

Heute lässt der stille Wächter am Wald die Turbulenzen der vergangenen Jahrhunderte nur noch erahnen. Aber immer noch thront er über der Landschaft und lädt Wanderer ein zu einem grandiosen Ausblick.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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