Programm der 1. Nordhessen-Kleinkunst-Gala begeisterte das Publikum

Spitzen und Höhenflüge

Wort- und stimmgewaltiges Trio: von links die Kabarettisten Christoph Sieber und Bernd Köhler alias Justus Riemenschneider sowie Sänger Oswald Musielski. – Immer dicht am Publikum: Max Alter vom Duo MetzoMax (kleines Bild rechts) Foto: Ehl-von Unwerth

Homberg. „Gemeinsam lachen“: Mit diesem Vorsatz kamen am Mittwochabend 300 Besucher zur 1. Nordhessen-Kleinkunst-Gala in die Homberger Stadthalle. Um dies zu gewährleisten, hatte Organisator Klaus Döll ein amüsantes Programm aus Kabarett und Gesang zusammengestellt.

Mit dem Melsunger Bernd Köhler alias Justus Riemenschneider moderierte ein kabarettistisches Urgestein aus der Region die Veranstaltung. Dabei sinnierte er in ureigenen Verbal-Attacken über den „Schulden“-Berg im Logo der Stadt Homberg sowie deren fehlende Bahn- und mangelhafte Busanbindung.

Ähnlich scharfsinnig sezierte er die sturen Nordhessen im Allgemeinen und die Lehrer-Spezies im verbeamteten Paralleluniversum im Besonderen.

„Wärst Du Napoleon, Du hättest nie Amerika entdeckt.“

Christoph Sieber zum Niveau von Gesprächspartnern in nachmittäglichen Fernsehtalks

(Un)menschlichen Zipperlein widmete sich das musikalische Heimat-Duo MetzoMax mit Stefan Metz und Max Alter: Die besungenen Gesundheits-Themen reichten vom Ayurveda-Stimmungsknüller bis zum in tragisch-griechischer Manier vorgetragenen Urologen-Besuch. Energisch hingegen mutete die chansonartige Verweigerung moderner Technik und virtueller Netzwerke an, während die Tupper-Party von anno dazumal den Künstlern geradezu südamerikanisches Temperament entlockte.

Ein solches präsentierte auch der bissige kabarettistische Zeitgeist-Analytiker Christoph Sieber: Im scharfzüngigen Galopp hechelte er durch (wirtschafts-)politische Überheblich- und menschliche Unzulänglichkeiten. Dabei führte der schnörkellose Lagebericht von Fettnäpfchen-Tretern an der Politfront über den maroden Hauptstadt-Flughafen bis zu Bankenrettung und Medienergebenheit. In einer weiteren Facette gerieten bei dem studierten Pantomime (nicht nur) die Gesichtsmuskeln auf Abwege.

Auf faszinierende Höhenflüge schließlich begab sich der in der Schwalm aufgewachsene Countertenor Oswald Musielski. Mit einem Stimmumfang über viereinhalb Oktaven entführte er das erstaunte Publikum in ungeahnte Gesangs- und Gefühlssphären. Die fanden neben der Interpretation von Werken Händels, Puccinis und Kálmáns ihren Höhepunkt in Whitney Houstons Welthit „I will always love you“. Das Publikum dankte mit anhaltendem Applaus für unvergessliche Kleinkunst-Momente.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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