Sportkreis Schwalm-Eder

Positive Bilanz: 16 Sport-Coaches helfen Flüchtlingen

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War einkaufen, damit Flüchtlinge Sport machen können: Nicole Richter ist Sport-Coach in Gudensberg.

Schwalm-Eder. Sportlich interessierte Flüchtlinge ansprechen, sich darum kümmern, dass sie die passenden Sportarten, Mannschaften und den Weg finden - für Sportvereine im Schwalm-Eder-Kreis ist diese Arbeit meistens nicht zu leisten.

„Dafür sind jetzt die Sport-Coaches da", sagen Ulrich Manthei und Maria Nohl vom Sportkreis Schwalm-Eder. 17 Städte und Gemeinden in Schwalm-Eder haben bereits einen Sport-Coach. Sie sind Mittler zwischen Sportvereinen und Flüchtlingen.

Finanziell ermöglicht wird das vom Land Hessen. An die 16 Sport-Coaches im Landkreis flossen dieses Jahr 105.000 Euro. Gestaffelt wird die Summe danach, wie viele Flüchtlinge vor Ort leben. 40 Flüchtlinge sind das Minimum. Über das Geld können die Coaches frei verfügen.

Wer engagiert sich in Schwalm-Eder als Sport-Coach? „Gemeinsam haben sie, dass sie aus Sportvereinen kommen. Ansonsten ist die Gruppe bunt gemischt - von 18 bis 79 Jahren“, sagt Ulrich Manthei, Vorsitzender des Sportkreises. Ein Trend: Ein Großteil der Ehrenamtlichen ist unter 27 oder Rentner über 60. Die Mehrheit der Sport-Coaches ist männlich (70 Prozent).

Am 1. Januar 2016 ist das Projekt gestartet, vom Frühjahr bis November haben die Sport-Coaches die Arbeit in Schwalm-Eder aufgenommen.

Wie läuft es bislang? „Richtig gut“, sagt Maria Nohl, Jugendwartin des Sportkreises. Deshalb solle eine neue Stelle geschaffen werden. „Ein Koordinator, der den anderen Sport-Coaches die Bürokratie abnimmt“, sagt Nohl.

Die Arbeit der Sport-Coaches habe sich im Verlauf des Jahres weiterentwickelt: „Davon, den Flüchtlignen eine Beschäftigung zu bieten, zu einer gelungenen Integration“, sagt Nohl. Jedoch müsse das Angebot niederschwellig bleiben: „Typisch deutsch Druck aufzubauen bringt nichts.“

Es fehlt oft die richtige Kleidung

Nicole Richter hilft als Sport-Coach den Gudensberger Vereinen und Flüchtlingen

Gudensberg. Nicole Richter öffnet den Kofferraum ihres Autos. Schuhkartons und ein Berg an Schwimmsachen verteilen sich dort. Sie stapelt die Kartons, wirft die Kleidung oben drauf und balanciert sie zu einem roten Backsteinhaus in Gudensberg.

Nicole Richter hat keinen Schuhtick - sie benötigt die Kleidung für ihre Tätigkeit als Sport-Coach. Im Schwalm-Eder-Kreis ist sie eine von 16 Ehrenamtlichen, die für die Integration von Flüchtlingen durch Sport arbeiten.

Am ehemaligen Pfarrhaus klingelt Nicole. Sofyen Gharbi, Integrationsbeauftragter der Stadt Gudensberg öffnet ihr die Tür. Er schnappt sich einen der Stapel und trägt ihn in sein Büro. Dort hat Nicole ihre wöchentliche Sprechstunde als Sport-Coach. Für heute hat sich ein Jugendlicher angemeldet. „Es muss erst mal anlaufen“, sagt die gebürtige Gudensbergerin.

Im November hat sie ihre Arbeit aufgenommen. Fünf Stunden investiert sie pro Woche in die Arbeit als Sport-Coach - neben der Arbeit als Referendarin in Kassel.

Um das Projekt vorzustellen, war sie zwei Mal mit dem Integrationsbeauftragten Gharbi in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. „Die Begeisterung war riesig“, sagt sie, „das Problem war aber, dass die Meisten keine Sportsachen hatten.“ Deshalb war sie in dieser Woche einkaufen - 5000 Euro stehen ihr vom Land Hessen im Jahr frei zur Verfügung.

Da die Hälfte davon voraussichtlich für Spritkosten draufgeht, muss Nicole Richter das Geld gut einplanen. So hat sie mit dem Filialleiter von Intersport einen Rabatt ausgehandelt. „Da zählt es, auf Menschen zugehen und sich gut verkaufen zu können“, sagt sie.

Gut verkauft hat sie das Projekt auch bei den örtlichen Vereinen, die allesamt Flüchtlinge im Training aufnehmen wollen. Richter, die mittlerweile in Niedenstein wohnt, ist selbst seit 20 Jahren in der DLRG Gudensberg aktiv. Sie weiß, wie dringend Sportvereine Mitglieder suchen. Nach einer halben Stunde kommt der erste - und für heute auch einzige - „Kunde“ vorbei.

Mit Undercut, knallroten Sneakers und in modisch-zerfetzter Hose betritt der 17-jährige Mohammad-Reza Husseini das Büro.

Mit einem Handschlag und herzlichem Lächeln begrüßt Nicole ihn. Der Afghane war schon in der ersten Sprechstunde da. Dort hatte er den Wunsch geäußert, Taekwondo zu betreiben.

Sport-Coach Richter hat gute Nachrichten - sie hat einen Taekwando-Verein in Fritzlar gefunden. Zu den Übungsstunden freitags darf er kommen. „Zum ersten Training gehe ich auch mit“, sagt die 27-Jährige. Das will sie immer machen. Um den Weg zu erklären. Um die Flüchtlinge bei den Sportskameraden vorzustellen. Um auch selbst neue Sportarten auszuprobieren.

Einen Termin finden die beiden erst im Januar, denn zwischen den Jahren ist die Halle geschlossen. Bleibt nur noch eine Frage zu klären: „Eine Jogginghose und Sport-T-Shirt hast Du, oder?“, fragt Richter, um sich abzusichern. „Ja“, sagt der 17-Jährige nickend und verabschiedet sich höflich.

Nicole lacht glücklich. Sie hofft, dass sich auch EU-2-Bürger und Deutsche an sie wenden: „Es soll ja nicht heißen, dass nur den Flüchtlingen gute Angebote gemacht werden.“

Quelle: HNA

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