Ab dem 30. Lebensjahr verliert der Körper Muskelmasse

Sportstudios im Kreis: Immer mehr Senioren trainieren 

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Beweglichkeit ist ihnen wichtig: Wolfgang Ebert (73, links) aus Büchenwerra und Horst Vollbrecht (73) aus Vollshausen. Sie gehen regelmäßig ins Fitnesstudio nach Guxhagen, um zu trainieren. 

Schwalm-Eder. Fitnessstudios werden bei Senioren im Landkreis immer beliebter. Auch über 60-Jährige schwingen sich auf Fahrrad und Laufband.

Im Fitnessclub „Blu“ in Guxhagen ist beispielsweise jedes vierte Mitglied über 60 Jahre alt, im Fitnessstudio „No Limits“ in Homberg trifft das auf jedes fünfte Mitglied zu.

Damit bestätigt sich ein deutschlandweiter Trend. Von den bundesweit 10,6 Millionen Mitgliedern waren Ende vergangenen Jahres 1,33 Millionen älter als 60 Jahre, so der Arbeitgeberverband deutscher Fitnessanlagen (DSSV). In den vergangenen vier Jahren stieg der Anteil der Senioren um 20 Prozent. 

Auch Rainer Harrer von der „Muskelschmiede“ in Schwalmstadt, sagt: „Im Schnitt trainieren die sogenannten Best Ager zwei Mal die Woche. Für sie stehen Kraft und Beweglichkeit im Fokus.“

Eine starke Muskulatur unterstütze dabei, bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, erklärt Lutz Debus, Betriebsleiter des No Limits in Homberg. Er sieht eine große Gefahr darin, körperliche Schwäche und Langsamkeit mit steigendem Alter als gegeben hinzunehmen. Spazieren gehen in der Natur befördere zwar das Wohlbefinden, doch wer alleine aufstehen und in die Dusche steigen oder einen Tag mit den Enkeln verbringen will, müsse mehr tun.

Die Über-60-Jährigen gingen mit einer anderen Einstellung zum Sport als die Jüngeren, beobachtet Daniel Schmahl, Clubleiter des Blu in Guxhagen. „Bei den Best Agern steht das Soziale im Vordergrund.“ Sie blieben mehrere Stunden, besuchten Kurse, machten Wellness und verabredeten sich zum Kaffee.

Auch außerhalb der modernen Fitnessanlagen können sich Senioren sportlich betätigen. Rosemarie Fröhlich, Trainerin beim TSV Spangenberg, bietet seit 20 Jahren Gesundheitssport für Ältere an. „Meine Teilnehmer sind weit über 60. Sie wissen, dass Bewegung ihnen gut tut und haben Spaß am Training!“ 

Sport gehört zu Walter Bredes täglicher Routine: 35 Kilogramm kann der 65-Jährige locker heben.

So auch Walter Brede aus Dittershausen. Am Donnerstagmorgen steht er fröhlich plaudernd mit einem Trainingskollegen vor dem Spiegel, in seinen Händen zwei Hanteln mit je zwölf Kilogramm Gewicht. 

Der Dittershäuser geht an sechs Tagen die Woche für mindestens zwei Stunden ins Fitnessstudio Blu in Guxhagen – und das mit 65 Jahren. Früher habe er es sich gar nicht vorstellen können, in ein Fitnessstudio zu gehen. „Man hat ja immer so ein Klischee von Muckibude im Kopf, das hat mich abgeschreckt“, erzählt er. Dieses Vorurteil hat er mittlerweile abgelegt: „Ob jung oder alt, hier trainiert jeder mit jedem und man hilft sich auch gegenseitig.“ In dieser Atmosphäre fühle er sich wohl. 

Richtig Power dank täglichem Sport

Dank des täglichen Sports habe er eine völlig neue Einstellung zum Leben gewonnen. Schon beim Aufstehen freue er sich auf sein morgendliches Fitnesstraining. „Ich habe richtig Power und fühle mich in meinem Körper wohl.“ 

Ursprünglich hatte er sich angemeldet, um Gewicht zu verlieren, heute möchte er seinen Frühsport nicht mehr missen. Nach ein paar Runden im Schwimmbecken, setzt er sich zum Aufwärmen aufs Rad und dann geht’s an die Geräte. So kommen schon mal drei Stunden körperliche Betätigung zusammen. 

Muskeltraining hält fit, das hat der ehemalige Handballspieler gelernt. Medikamente brauche er nicht. Die würden ja ohnehin nicht die Ursache von körperlichen Beschwerden bekämpfen. 

Geistig fit bleiben 

„Ich war einmal bei meinem Arzt zur Untersuchung, der sagt, er könne sich keinen gesünderen Menschen vorstellen“, berichtet Brede stolz. 

Generell kann der aktive Rentner nicht lange die Füße still halten. Einmal die Woche arbeitet er deshalb wieder als Elektrotechniker. „Man muss sich ja auch geistig fit halten“, ist er überzeugt. Der Familienvater ist dankbar, dass es ihm in seinem Alter heute noch so gut geht. „Um seine Gesundheit muss man sich selbst kümmern. Viele Senioren leiden unter körperlichen Beschwerden, das möchte ich nicht.“

Wenn er nach dem Training die Gewichte zur Seite legt, setzt Walter Brede sich gerne noch mal auf einen Cappuccino ins Café des Clubs. Dort trifft er dann auch seine Freunde, die er dort kennengelernt hat. Das Fitnessstudio ist ein Teil seines Lebens geworden.

Betreuung durch Trainer wichtig 

Ab dem 30. Lebensjahr verliert der Körper pro Jahr ein Prozent an Muskelmasse. Krafttraining kann diesem Verlust entgegenwirken. Ältere Fitnessstudio-Mitglieder kommen häufig wegen Kreislaufproblemen, Bluthochdruck, Haltungsschwäche und Übergewicht. 

Aufgrund von möglichen Vorerkrankungen empfiehlt sich ab einem Alter von 45 Jahren vor dem ersten Besuch in einem Fitnessstudio eine Rücksprache mit dem Hausarzt. Wichtig ist eine Betreuung durch ausgebildete Trainer. Auch Vereine, wie die MT Melsungen, bieten Kurse extra für Senioren an. Zum Beispiel gibt es dort eine Herzsportgruppe.

Quelle: HNA

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