Satiriker Martin Sonneborn las am Freitagabend in der Gaststätte Specht

Spott und kalte Schnauze

Zu Gast in Treysa: Satiriker Martin Sonneborn stattete der Schwälmer Landbevölkerung mal wieder einen Besuch ab. Foto: Rose

Treysa. Dass Martin Sonneborn unlängst von der Bildzeitung zum Verlierer des Tages gekürt wurde, hat den früheren Chefredakteur des Satiremagazins Titanic nicht geschockt. Dass der Gewinner des Tages allerdings Günther Oettinger von der CDU hieß, dann schon. Mitleid und Anteilnahme gab’s dafür von den begeisterten Gästen im Specht: Mit seinem Programm Krawall und Satire machte Sonneborn am Freitagabend Station in Treysa.

Das Urteil der Bild-Zeitung bezog sich einst auf eine verlorene Klage beim Bundesverfassungsgericht, Sonneborns 2004 mit weiteren Redakteuren gegründete, „kleine schmierige Propagandapartei Die Partei“ zur Bundestagswahl zuzulassen. „Jetzt versuchen wir es beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.“ Die Ziele der Partei umriss der Satiriker am Samstagabend klar: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen – außer uns.“

Doch nicht nur die Rolle des schmierigen Politikers kauften die Zuhörer Sonneborn ab. Seit 2009 ist der gebürtige Göttinger in der Rolle des Außenreporters der ZDF-Satiresendung heute-show zu sehen. Dort führt er gnadenlos vor, kommentiert die FDP-Schlappe bei der letzten Wahl mit Jubelgeschrei und Konfettiregen oder persifliert bitterböse die Suche der SPD nach dem geeigneten Kandidaten.

Das Treffen Guido Westerwelles mit Gaddafi überschrieb er am Samstag mit den Worten: „Der eine Despot lässt sich doch vom anderen nichts sagen.“ Die Karikatur zum Tod von Apple-Gründer Steve Jobs sprach ihm hingegen aus dem Herzen – „7000 Menschen ohne Jobs – und alle schmeißen einen angebissenen Apfel mit ins Grab“. Ziel von Spott und Häme waren auch Pharmalobbyist Peter Schmidt und die frivolen Wasserspiele der Vertreter der Ergo-Versicherung in Budapest.

Sonneborn versäumte es nicht, auch für die eigene Partei zu werben. „Sie können gerne Fragen stellen. Im dörflichen Raum haben Sie ja selten Spitzenpolitiker“, ermunterte er. Sein Motto: Inhalte überwinden. Und Mitgliedsausweise ausstellen. Darauf zu lesen: „Mit diesem Mitgliedsausweis darf man überall durch.“ Die Mauer müsse schlichtweg als Exportidee gesehen werden. „In der Schweiz wird die das Modell der Zukunft, die brauchen die humanistische Diktatur.“

Sonneborns kalkulierten Spitzen und überzogenen Phrasen kamen beim Publikum bestens an: Immer wieder gab es Applaus. In der Pause posierte er grinsend für die Kameras der Gäste. Martin Sonneborn ist der Meister des grotesken Stilbruchs. Die Zuhörer im Specht wussten das längst, sie spielten mit in seinen Parabeln, stellten unnötige Fragen, kommentierten und persiflierten.

Nach zweieinhalb kurzweiligen Stunden machte Satiriker Sonneborn gewohnt kaltschnäuzig Schluss: „Wir wollen das nicht endlos ausdehnen – sie müssen morgen früh raus, auf die Felder.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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