Flüchtlinge aus Somalia und Pakistan trafen sich zu einem gemeinsamen Frühstück

Sprache ist oft ein Problem

Gemütliches Beisammensein: Einige Teilnehmer des Infofrühstücks für Flüchtlinge. In der Mitte sitzen Adriana Reitz (Bleiberechtsnetzwerks „Bleib in Hessen“) und Dr. Adnan Yahya. Er berichtete von seiner Fluchtgeschichte. Fotos: Thöne

Treysa. Mohamed Yasin Mohamud aus Somalia ist unzufrieden: „Ich wohne mit vier Leuten auf einem Zimmer. Wir müssen uns mit 30 Personen eine Toilette teilen“, klagt der 17-Jährige, der in der ehemaligen Harthbergkaserne in Treysa wohnt. Seine Probleme kennen auch die 21 anderen Flüchtlingen, die zum Infofrühstück des Bleiberechtsnetzwerks „Bleib in Hessen“ in das Café Tagtraum in Treysa gekommen sind.

Bei Kaffee, Tee, Brötchen und Marmelade berichten die Flüchtlinge, was ihnen auf dem Herzen liegt. Schnell wird deutlich, was den Menschen aus Somalia und Pakistan zu schaffen macht: Fehlende Sprachkenntnisse, keine Arbeit, ungünstige Wohnbedingungen und verwirrende Behördengänge sind die Hauptprobleme.

„Es ist sehr kompliziert“, beschreibt Adriana Reitz vom Bleiberechtsnetzwerk die Situation der Flüchtlinge. Viele würden in einer Warteschleife hängen. Oft müssten sie längere Zeit auf eine Arbeitserlaubnis warten.

Dr. Yahya war Gast

Auch Gastredner Dr. Adnan Yahya, der den Teilnehmern des Frühstücks von seiner Fluchtgeschichte berichtet, kennt die Probleme der Flüchtlinge. Er wurde 1948 aus seinem Heimatland Palästina vertrieben. Ein Jahr habe er bei den Israelis in Gefangenschaft gelebt. Er sei gefoltert und geschlagen worden. „Da war ich gerade mal 17 Jahre alt“, berichtet er.

In den 50er-Jahren sei er nach Deutschland gekommen. „In nur einem Monat habe ich Deutsch gelernt“, erzählt der 82-Jährige. Danach habe er ein Medizinstudium begonnen. Tagsüber habe er gelernt, nachts in einer Glas- und Autofabrik gearbeitet.

1971 sei er schließlich nach Treysa gekommen und habe seine Praxis eröffnet. Auch dies sei nicht leicht für ihn gewesen. „Ich wurde komisch angeguckt. Nach einiger Zeit haben die Leute mich aber lieb gewonnen und ich sie“, erzählt Yahya.

Mit diesen Worten will er den Flüchtlingen Mut machen. Auch einige Tipps hat er für die Anwesenden. „Ihr müsst euch bemühen, die Sprache zu lernen und Arbeit zu finden“, rät er den Anwesenden.

Genau das versucht der 17-jährige Mohamed Yasin Mohamud aus Somalia. Derzeit besucht er einen Sprachkurs in Kassel. Damit ist er schon um einiges weiter als viele andere Teilnehmer des Frühstücks.

Einige leben seit über zwei Jahren in Deutschland und verstehen kaum ein Wort. Deswegen übersetzt Mohamud den Vortrag Yahyas. „Nach meinem Sprachkurs möchte ich eine Ausbildung zum Schreiner machen“, sagt der 17-Jährige.

Er möchte möglichst schnell in einer eigenen Wohnung leben. In Deutschland gefalle es ihm gut. „Hier herrscht Frieden“, sagt er. In Deutschland könne man ohne Angst zu haben, spazieren gehen. In seiner Heimat Somalia sei das anders.

Mohamud vermisst vor allem seine Familie. Die musste er in Somalia zurücklassen. Er hofft, dass auch sie irgendwann nach Deutschland kommen können.

Von Nina Thöne

Quelle: HNA

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