Über ihre Sorgen, Wünsche und Ängste sprachen im Landkreis lebende Zuwanderer

Sie sprechen eine Sprache

Sie leben gern in Deutschland: Die Teilnehmer des Deutschkurses für Zuwanderer und ihre Lehrer der Volkshochschule des Schwalm-Eder-Kreises. Gemeinsam sprachen sie jetzt über rechten Terror und Fremdenfeindlichkeit. Foto: Yüce

Schwalm-Eder. „Jeder von uns ist betroffen“, sagt der Mann mit den grauen Haaren und der dunklen Hautfarbe. Seinen Namen nennt er nicht. Er ist einer von 54 Zuwanderern, die jetzt ihren Deutschtest bestanden und dafür eine Urkunde erhalten haben. Der Landkreis ist für einige von ihnen eine neue Heimat, andere leben bereits seit über 15 Jahren hier. „Weil es hier schön ist“, sagt die junge Frau aus Thailand und lacht. Doch beunruhigen sie die Meldungen über rechten Terror und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland.

„Man kann sie überall treffen“, sagt einer der Teilnehmer. Auf der Straße in der Stadt oder beim Besuch einer Kirmes. Sie. Damit meint er Menschen, die ihn ob seines südländischen Aussehens anpöbeln oder ihm vor die Füße spucken. Beides hat er schon erlebt – im Schwalm-Eder-Kreis. „Die Gewalt fängt in den Köpfen an“, sagt eine Frau und fügt an, dass ihr Sohn auf einem Spielplatz nicht mitspielen durfte. „Weil er Russe ist, haben die andere Kinder gesagt.“

Lösungen aufzeigen

Doch mit den trüben Gedanken will sich die Gruppe nicht lange aufhalten. Ganz im Gegenteil: Sie zeigen Lösungswege auf. „Man muss gegen Vorurteile ankämpfen“, sagt Rainer Böhm, stellvertretender Leiter der VHS. Vorurteile entstehen dann, wenn man nicht viel über den anderen weiß, fügt er an. „Dann werden schnell die Ausländer für alles verantwortlich gemacht, was in einem Land nicht gut läuft“, sagt ein anderer Teilnehmer. Er habe schon im Dorf gehört, dass die Ausländer die Arbeit wegnehmen.

„Man muss aufeinander zugehen und das darf nicht an der Sprache scheitern“, sagt ein Mann und hält sein Deutsch-Zertifikat fest in der Hand. Doch dürfe das aufeinander zugehen nicht einseitig sein. Es sei doch etwas nicht richtig, wenn Türken oder Griechen im Urlaubsland als besonders freundlich und nett gelten, sobald sie nach Deutschland kommen, werden sie aber zu Außenseitern.

„Die Gewalt fängt in den Köpfen an.“

Eine Teilnehmerin

„Wir haben alle schon Rassismus am eigenen Leib erfahren“, sagt eine Frau. Dabei könne doch jeder etwas gegen die Fremdenfeindlichkeit tun. „Für den Streit im Kleinen ist nicht die Politik zuständig. Da ist jeder selbst verantwortlich.“

Sorgen und Wünsche

Dass die Sorgen und Wünsche der Menschen der unterschiedlichsten Nationen oft ganz ähnlich sind, zeigt auch die Tafel im Schulungsraum der Volkshochschule. Dort haben die Zuwanderer ihre Gefühle notiert. Vor Arbeitslosigkeit und Krankheit haben sie Angst. Und vor Gewalt.

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Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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