Anwohner sorgt sich um Gesundheit

Spritzmittel Glyphosat sorgt in Ellenberg für Ärger

Er ärgert sich, dass Glyphosat auf dem Feld vor seinem Garten gespritzt wurde: Dieter Griesel sorgt sich um seine Obstbäume. Fotos: Carolin Hartung

Ellenberg. Wenn Dieter Grisel von seinem Balkon in Ellenberg schaut, dann hat er einen fantastischen Blick in die Natur. Nur eines ärgert den Rentner: das Feld, das vor seinem Grundstück liegt.

Denn das wurde erst vor einiger Zeit mit Glyphosat gespritzt. Viel zu nah an den gepachteten Grünflächen der sechs Anlieger, die dort am Ederblick wohnen, findet Griesel.

„Ich habe hier meine Obstbäume und Salat, das ist doch Mist, wenn so dicht mit Spritzmittel gearbeitet wird.“ Hinzu käme, dass das Feld schon vor Jahren zu Brachland umgewandelt worden sei, sagt Griesel. „Letztes Jahr wurde gemulcht, das ist ja in Ordnung, aber mit dem Gift, das finde ich nicht gut. Vor allem, wo jetzt überall von Blumenwiesen und Insektensterben die Rede ist“, sagt Griesel.

Was der Ellenberger noch nicht wusste: Landwirt Bernhard Reuße aus Büchenwerra, der das Feld bewirtschaftet, hat die Fläche mit Glyphosat behandelt, weil dort eine Blühwiese für Bienen entstehen soll. Vor einer Woche wurde das Gelände mit einer speziellen Samenmischung eingesät. „Das Saatgut war nicht lieferbar, weil dort zurzeit ein enormer Run drauf ist. Eigentlich wollte ich es schon viel früher eingesät haben“, sagt Reuße. Die Behandlung mit Glyphosat vor der Aussaat sei nötig, damit die Blumen konkurrenzlos wachsen könnten, erläutert Reuße. Denn sonst mache sich ruck zuck anderes Unkraut breit und verdränge die bienenfreundlichen Blumen, sagt Reuße. „Ich kann nur nicht verstehen, warum ich nicht mal gefragt werde, was ich auf dem Feld vorhabe.“

Weil es am Dorfrand immer wieder zu Problemen mit den Anwohnern gekommen sei, auch beim Ausbringen von Gülle, habe er das Feld vor einigen Jahren zu einer ökologischen Vorrangfläche umgewandelt und Rotklee ausgesät – ebenfalls bienenfreundlich. „Mit der Zeit ist aber immer mehr Gras und Unkraut durchgekommen.“ Deshalb habe er die Fläche erst gemulcht und dann gespritzt. „Würden wir die Fläche mechanisch bearbeiten, kostet uns das dreimal so viel. Das können wir uns einfach nicht leisten“, sagt der Landwirt. Die Bedenken Griesels wegen des Gifts könne er zwar nachvollziehen, da Glyphosat immer wieder in die Kritik gerate. Allerdings gebe es keine einzige Studie, die klar bestätigt, dass das Pflanzenschutzmittel gesundheitsschädlich ist, sagt Reuße. „Außerdem verwenden wir nicht viel und bringen es nach bestem Wissen und Gewissen aus.“

Beispielsweise seien die Spritzdüsen auf niedriger Druck-Stufe eingestellt und zudem achte Reuße immer darauf, dass es absolut windstill sei, damit das Mittel auch ausschließlich auf dem Feld landet. Zum nächsten Grundstück muss der Landwirt zwei Meter Abstand einhalten. „Und daran halten wir uns auch.“

Landwirt Bernhard Reuße hält die Diskussion um den Einsatz von Glyphosat für „völlig überzogen“. Die Dosis mache das Gift: „Wenn man eine Medizin überdosiert, dann ist sie auch giftig.“ Glyphosat werde nur über das Blatt aufgenommen. „Was auf den Boden gelangt, wird sofort abgebaut.“ Reuße ärgert es außerdem, dass die Landwirte immer für das Insektensterben an den Pranger gestellt würden. „Ja, wir tragen sicher 25 oder auch 30 Prozent dazu bei, aber nicht 80, wie behauptet wird“, sagt er. „Unser Berufsstand ist der, der zum großen Teil noch versucht, das in Bahnen zu halten. Keiner setzt sich so für die Natur ein wie wir.“ Blühpflanzen in Gärten seien Mangelware. „Die meisten haben überwiegend Rasen, und von uns fordert jeder, dass wir Blühflächen anlegen.“ Reuße hält den Klimawandel für die Hauptursache des Insektensterbens. „Unsere Art zu leben trägt den Großteil dazu bei.“

Quelle: HNA

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