Bettenhaus Dötenbier schließt nach 109 Jahren – Treeser Original geht in Ruhestand

Die Sprüche gab es gratis

Immer zu einem Spaß aufgelegt: Dieter Dötenbier und seine Frau Gudrun vor ihrem Geschäft am Marktplatz in Treysa. Foto: Quehl

Treysa. Dieter Dötenbier schließt genauso, wie er sein Leben als Treeser Geschäftsmann geführt hat, mit einer saftigen Portion Humor. Unter dem Motto „Gute Nacht, es ist vollbracht“ hat der Räumungsverkauf in dem Traditionshaus am Marktplatz begonnen. „Den täglichen Gang in den Laden werden wir vermissen“, sagt der 63-Jährige über sich und seine Frau Gudrun (61), „aber es reicht jetzt. Die Einkaufsgewohnheiten der Leute haben sich stark verschoben“. Eine Perspektive für einen Nachfolger für das Betten- und Wäschehaus gebe es nach 109 Jahren nicht mehr. Die beiden Kinder haben ganz andere Berufe ergriffen.

Großvater Heinrich Dötenbier hatte 1906 auf sehr kleiner Fläche am Rathausplatz eröffnet, immer wieder wurde erweitert, umgebaut, modernisiert. Von seinem Vater Karlheinz Dötenbier übernahm Dieter Dötenbier das Geschäft 1980 und gestaltete es von Grund auf um.

„Auch mal Problemlöser“

In all den Jahren haben die Dötenbiers „immer sehr gerne gearbeitet, als Einkäufer, Bürokräfte, Verkäufer, Hausmeister und Auslieferungsfahrer“. Manchmal hätten die Kunden eher einen Therapeuten gebraucht, sei er „weniger Verkäufer als Problemlöser“ gewesen.

Doch wer Dieter Dötenbier kennt, weiß diesen trockenen Mutterwitz richtig zu nehmen. Und es kennen ihn viele, die ganze Schwalm kaufte Betten bei Dötenbier, auch aus dem Homberger Raum und sogar aus Kassel kamen die Stammkunden. „Viele Leute kamen immer wieder, aber diese Generation stirbt weg, dabei sind wir nicht teurer als das Internet, aber Service für Null gibt es nicht.“ Den „Beratungspiraten“, der sich im Fachgeschäft alle Tipps holte, um dann per Mausklick zu kaufen, lässt Dötenbier allerdings gern hinter sich.

Behalten wird er seine Entertainer-Qualitäten, haute der unverbesserliche Treeser im Verkaufsgespräch auch schon mal einen knalligen Spruch wie diesen heraus: „Es brachte mal einer 20 Jahre alte, völlig verdreckte Bettdecken zur Reinigung, dem habe ich gesagt, dass man drei Jahre am Stück getragene Unterwäsche auch nur noch operativ entfernen kann.“

Solch entwaffnende Witze verstanden die Kunden und auch beim Abschied überwiegt für Dötenbier das Lachen. Seinen Ruhestand gedenkt er weidlich auszukosten, „ich will mir ein Motorrad kaufen und wieder mal nach Afrika reisen, wir sind eben Reisefreaks“. Über ein dutzendmal besuchte Dötenbier Kenia, wo er Bekannte hat und den Menschen gern unkompliziert unter die Arme greift. Und wenn er zu Hause ist, kann Dötenbier nun häufiger seine lauschige Dachterrasse mit der „Bar Kenia“ und vielen Erinnerungen genießen. Vor der Ruhe ist ihm nicht bange, und so ab und an wird seine Heimatstadt doch wohl noch von ihm hören.

• Der Räumungsverkauf dauert bis zum 30. Juni, Slogan : „Wenn Sie das verpennen...“, es gibt „ausgeschlafene Preisnachlässe“. www.bettenhaus-doetenbier.de

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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