AKGG sucht Familien, die geistig behinderte Menschen in ihrer Mitte aufnehmen

Sprungbrett ins Leben

Gemeinsam kochen: Das ist nur eines der Dinge, in das die Familie den geistig behinderten Menschen einbeziehen sollte. Gesucht werden allein Lebende oder Familien, die einen geistig Behinderten bei sich aufnehmen und nicht nur wohnen lassen. Foto: dpa

Kreisteil Melsungen. Im Heim ist Gerd unterfordert und außerdem zu weit weg von der gewohnten Umgebung, wo er sich ganz allein zurechtfindet. Doch zuhause bei den über 70-jährigen Eltern kann der 43-jährige geistig behinderte Mann auf Dauer nicht mehr leben.

Seine Eltern sind realistisch und wissen, dass sie bald selbst Betreuung brauchen können werden. Deshalb suchen sie für ihren Sohn eine Familie. Dabei hilft ihnen der Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) in Melsungen.

Leben in Selbstständigkeit

Michael Festor, der pädagogische Leiter des betreuten Wohnens, und Anja Fleischmann, die Leiterin des Fachdienstes für Menschen mit Behinderungen beim AKGG wissen von mehreren solchen Fällen. Junge Menschen, die bisher in einer Pflegefamilie lebten oder aber ihre Herkunftsfamilie verlassen möchten, um selbstständiger zu werden. Oder Erwachsene, meist mittleren Alters so wie Gerd, die immer mit Vater und/oder Mutter zusammenwohnten und deren Eltern ihr Kind nun auf ein Leben ohne diese Fürsorge vorbereiten möchten, weil sie selbst zu alt sind.

Sie knüpfen die Verbindung: Michael Festor und Anja Fleischmann vom AKGG suchen in und um Melsungen nach Gastfamilien für geistig behinderte Menschen. Foto: Brückmann

Ihnen allen gemeinsam ist die geistige Behinderung. Sie brauchen kleine Hilfe im Alltag, bei Behördengängen oder Schriftverkehr, aber sie sind nicht verhaltensauffällig. Viele haben eine Arbeit in einer Behindertenwerkstatt. „Das sind Menschen, die Schwierigkeiten haben im Lernen, oft nicht lesen oder schreiben können, die feste Strukturen brauchen und Anstöße für lebenspraktische Aufgaben“, erklärt Anja Fleischmann.

Die meisten sind in ihrer Stadt und Gemeinde gut integriert und finden sich dort zurecht. Damit sie relativ selbstständig leben können, brauchen sie aber den Halt in einer familienähnlichen Struktur.

Die Gastfamilie sollte sie in den Alltag integrieren und auch an Hausarbeiten beteiligen, nicht nur den Wohnraum zur Verfügung stellen. Denn, so Festor: „Es geht immer um eine Verselbständigung, es ist nicht angestrebt, dass das ein Leben lang so bleibt.“

Sowohl die Familien als auch die Behinderten werden vom AKGG beraten und in Krisensituationen betreut. Wer sich auf das Abenteuer einer Familienvergrößerung einlassen möchte, kann Kontakt aufnehmen mit dem AKGG, Hospitalstraße 11, in Melsungen, Tel. 0 56 61 / 70 56 56.

Von Andrea Brückmann

Quelle: HNA

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