Zwei Kleinengliser und ihr Hobby

Auf der Spur der Steine

Spuren aus dem Archiv: Mit alten Karten machen sich Helmut Most und Wolfgang Stoike auf die Suche nach Grenzsteinen. Diese Karte stammt etwa von 1570 und zeigt unter anderem Mandern, Ungedanken und Wenzigerode.  Quelle: Staatsarchiv Marburg Karte P II 13460 Blatt 1/nh

Kleinenglis. Manchmal erinnert das, was Helmut Most und Wolfgang Stoike tun, an eine Schatzsuche. Dann möchten sie zum Beispiel eine Stelle finden, die am „Knick an der Eiche, die unten doppelt ist“ liegt, wie es in einer alten Schrift heißt.

Häufig haben die beiden Männer aus Kleinenglis dabei Erfolg. Ihr Lohn ist jedoch keine Kiste mit Goldmünzen, sondern ein behauener Stein irgendwo in Wald oder Feld. Und ihre Beute nehmen sie auch nicht mit, sondern dokumentieren sie ordentlich für eine Behörde.

Most und Stoike sind ganz offiziell Obmänner für Historische Grenzsteine im Altkreis Fritzlar-Homberg. Auf das ungewöhnliche Hobby stießen die beiden bei einer Wanderung ihres Vereins, bei der der Hobbyhistoriker Friedrich Döring auch über Grenzsteine sprach.

Die beiden Rentner ließ das Thema nicht mehr los und sie entdeckten bald, was für ein weites Feld sie da betreten hatten. „Es ist vorläufig eine unendliche Geschichte“, sagt Helmut Most und meint damit die schiere Anzahl von Steinen.

Forschung im Staatsarchiv

Die Arbeit der beiden beginnt oft im Staatsarchiv in Marburg, wo sie in alten Karten und Aufzeichnungen recherchieren, wo früher einmal Grenzen zwischen Orten, Gütern und Ländern waren. Die zu lesen, ist oft nicht einfach: Nicht nur, dass sie häufig in Sütterlinschrift verfasst sind, die Maße (etwa die Kasseler Rute oder die Rheinische Rute), die Zeichen und auch die Sprache ist anders als heute üblich. Mit dem Hessenführer, einem Programm des Amtes für Bodenmanagement, das für die Grenzsteinexperten zuständig ist und laden sie sich die entsprechenden Daten auf ihre GPS-Geräte.

Dann erst geht es ins Freie, was Most und Stoike freut, weil sie gerne draußen unterwegs sind. Haben sie einen Stein aufgestöbert, wird er vermessen, fotografiert und dokumentiert. Dafür werden verschiedene Merkmale in ein Formular eingetragen, welches später dem Amt übermittelt wird.

Irgendwann soll es einmal eine topographische Landkarte geben, in der die Steine verzeichnet sind. Doch bis dahin ist es noch viel Arbeit. Bisher haben die Kleinengliser schon 341 Grenzsteine erfasst. Der älteste wurde im Jahr 1535 gesetzt. Die steinernen Zeugen der Vergangenheit haben Geschichten zu erzählen. So sind vor allem die von Adligen und von Klöstern aufwendig behauen gewesen. Da gibt es das Mainzer Rad, den zu diesem Bistum gehörte Fritzlar früher, den Heiligen Petrus für das Fritzlarer Petrusstift und den Löwen der von Löwensteins.

Jetzt, in der kalten Jahreszeit beginnt für die beiden Steinsucher die Arbeit erst richtig, denn die Steine sind leichter zu finden, wenn die Vegetation nicht so üppig wuchert. Über Hinweise auf weitere Steine sind die Obmänner aber jederzeit dankbar.

Wenn sie ihre Arbeit gründlich machen, finden sie auch den Stein an der Eiche mit dem Knick, wenn diese längst nicht mehr steht.

Quelle: HNA

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