Jürgen Liebermann (49, SPD) will Bürgermeister in Hessens kleinster Stadt Schwarzenborn werden

Auf der Spur des Urgroßvaters

Möchte ins Rathaus: Jürgen Liebermann, hier mit seiner Frau Karin, bewirbt sich in Schwarzenborn um das Amt des Bürgermeisters. Foto: Grede

Schwarzenborn. Am 29. Januar wählen die Schwarzenbörner einen neuen Bürgermeister. Sicher ist schon jetzt, es wird ein Liebermann: Die beiden Kandidaten tragen denselben Nachnamen. Verwandt miteinander sind sie allerdings nicht.

Schwarzenborn. Ausreichend Schnee liegt am Hommelsberg, der Hausherr hat gerade den Weg freigeräumt. Stürmisch ist nicht nur das Wetter in Schwarzenborn, sondern auch die Begrüßung im Liebermannschen Bungalow: Hündin Finja ist schlichtweg begeistert über das Klingeln an der Haustür.

Im Baugebiet waren Jürgen Liebermann und seine Frau Karin damals die Ersten, die dort bauten; die Fenster geben die Aussicht auf Schwarzenborns Altstadt samt Kirche und Rathaus frei. Äußerlich sichtbar wird im Ess- und Wohnbereich nicht, dass Jürgen Liebermann bekennender Gladbach-Fan ist und Sohn Jonas (24) dem FC Liverpool die Daumen drückt. So kommt das Gespräch auch schnell auf die beiden Hobbys des Kandidaten. Mehr als 500 Mal stand Liebermann für die Seniorenmannschaft des TSV Schwarzenborn auf dem Platz, und inzwischen lenkt er die Geschicke des Vereins als stellvertretender Vorsitzender. Aber nicht nur der Fußball spielt eine Rolle. 1975 erklang sein erster Ton im Posaunenchor, jetzt gibt er dort als Dirigent den Takt an.

Als Bezirksdirektor einer Bausparkasse ist Liebermann regelmäßig in Osthessen und Teilen von Thüringen unterwegs, nun möchte er seinen Arbeitsbereich etwas verkleinern und das kleine Büro im Rathaus mit Blick auf Marktplatz und Steingasse beziehen. Das Amt des Bürgermeisters hat für Jürgen Liebermann nicht nur einen „erheblichen Reiz“, dieser Posten ist auch so etwas wie Tradition in der Familie. Immerhin sei sein Urgroßvater 33 Jahre lang Bürgermeister in Schwarzenborn gewesen, erzählt Jürgen Liebermann.

Der ehemalige Bürgermeister Jürgen Kaufmann (SPD), der im Herbst als Erster Beigeordneter in die Kreisverwaltung gewechselt ist, sei in den vergangenen Jahren Schwarzenborns Zugpferd gewesen, meint der Schwarzenbörner. Klar ist, dass Jürgen Liebermann als sein Nachfolger darauf aufbauen möchte. Einiges, das in dieser Zeit angestoßen wurde (Medizinisches Versorgungszentrum, Umbau Altes Pfarrhaus), gelte es noch zu Ende zu bringen, anderes wie beispielsweise die Konsenspolitik im Stadtparlament sollte fortgeführt werden. Auf der Tagesordnung stehen für Jürgen Liebermann aber auch die Renovierung des Kindergartens („wir haben viele Kinder hier“), ein Bürgerbus und Gebührensenkungen im Bereich der Wasserversorgung („Es gibt einen Überschuss“).

In Schwarzenborn leben derzeit circa 300 Flüchtlinge und Menschen aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn. Dennoch sei das kein vordringliches Thema in der Stadt. Man bemühe sich, diese Menschen zu integrieren, sagt Liebermann.

War Erster Stadtrat

Einblicke in die Tätigkeit des Bürgermeisters hat er bereits als dessen Stellvertreter gesammelt.

Fünf Jahre lang war er Erster Stadtrat, noch immer gehört er der Stadtverordnetenversammlung an, bereits seit 1991 ist er Mitglied der SPD. Als Führungskraft mit einem Zehn- bis Zwölf- Stunden-Arbeitstag „weiß ich, was auf mich zukommt“. (syg)

Zur Person:

Jürgen Liebermann wurde 1967 in Ziegenhain geboren und ist in Schwarzenborn aufgewachsen. Er ist verheiratet mit Karin Liebermann und Vater zweier Kinder. Nach dem Grundwehrdienst machte er eine Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn. Danach wechselte er zu einer Bausparkasse und erwarb den Abschluss Bauspar- und Finanzfachmann. 2009 wurde er dort zum Bezirksdirektor ernannt. (syg)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare