Auf Spuren der Familie: Neuseeländer besuchten Borken

Auf den Spuren der Vergangenheit: Margarete, Jeremy und Simon Kuttner (mit Fotoapparat) am Grab von Feist Rosenbusch auf dem jüdischen Friedhof in Borken. Foto: privat

Borken. Es war nicht nur eine Reise rund um den Globus, sondern auch in die Vergangenheit: Die Familie Kuttner aus Neuseeland besuchte Borken, um die Spuren ihrer Familie zu verfolgen.

Der Urahne war Feist Rosenbusch. Der jüdische Metzgermeister, hochbetagt und in Borken hoch angesehen, starb 1928 mit 96 Jahren zu Zeiten der Weimarer Republik. Sein Sohn, Haune Rosenbusch, Jahrgang 1860, hatte weniger Glück. Er wuchs in Borken auf und erlernte den Metzgerberuf, erfuhr aber wenig Anerkennung: Die Nazis ermordeten ihn 1942 in Theresienstadt. Seine Tochter Bertha Rosenbusch aber überlebte die Schreckensherrschaft der Nazis. Sie emigrierte nach Wellington in Neuseeland, wo sie 1947 starb.

Jetzt kamen Margarete Kuttner, geborene Westheim, die Enkelin von Bertha Rosenbusch und Urenkelin von Haune Rosenbusch, und ihre Söhne Simon und Jeremy Kuttner nach Borken, um sich auf Spurensuche zu begeben. Hans-Peter Klein aus Obermelsungen, Experte für jüdische Geschichte im Schwalm-Eder-Kreis, und Ingo Sielaff, Leiter des Borkener Bergbaumuseums, zeigten der Familie den Ort, in dem ihre Vorfahren lange Zeit gelebt hatten.

Simon Kuttner hatte die kürzeste Anreise: Er arbeitet derzeit an der Universität in Stuttgart. Die Familie Kuttner besichtigte die Gräber ihrer Vorfahren auf den jüdischen Friedhöfen in Borken und Haarhausen, die Gedenkstätte für die in der Reichspogromnacht 1938 zerstörte Synagoge in der Hintergasse und das Haus in der Marktstraße 6. Dort hatte Bertha Westheim vor ihrer Emigration gelebt.

Der Vater von Margarete Kuttner war Daniel Westheim aus Abterode im Werra-Meißner-Kreis. Ihn heiratete Bertha Rosenbusch 1909 in Borken, in der Bergmannstadt kam Sohn Theodor Westheim 1913 zur Welt. Daniel Westheim starb nur ein Jahr später, Mutter und Sohn emigrierten nach Neuseeland. Theodor Westheim starb 2011 im Alter von 98 Jahren. Die Kuttners wollen das Gedenken an ihre Familie aufrechterhalten. Sie überlegen, Stolpersteine des Künstlers Günter Demnig setzen zu lassen.

Quelle: HNA

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