Literaturspaziergang zum Kultursommer

Auf den Spuren der Grimms

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Lehrreich: Auf den Spuren von Jacob und Wilhem Grimm wandelten die Teilnehmer eines Literaturspaziergangs. Fotos: Rose

Auf den Spuren von Jacob und Wilhem Grimm wandelten am Sonntag die Teilnehmer eines Literaturspaziergangs mit Professor Dr. Holger Ehrhardt in Willingshausen.

Willingshausen. Die Veranstaltung organisiert hatte der Kultursommer Nordhessen. Wegen des unbeständigen Wetters wurde die Strecke etwas verkürzt, nicht wesentlich kürzer fielen jedoch Ehrhardts spannende Erläuterungen über das Leben und Wirken der Brüder aus.

Denn direkte freundschaftliche

Verbindungen zu der Familie von Schwertzell lassen sich zweifelsfrei belegen, sind bis in die 1840er-Jahre akribisch von den Bibliothekaren dokumentiert. „Wilhelm Schoof hat viele Zeugnisse gerettet“, erklärte Ehrhardt. Verdient habe er sich gemacht, wenngleich er in der Nazizeit in unschöne Verwicklungen verwoben war.

Belege gebe es nicht nur für Besuche in Willingshausen. 1810 fuhr Wilhelm Grimm in Kur, damals machte er in Allendorf Station. Im selben Jahr hätten die Brüder fleißig Märchen gesammelt, unter anderem in Hersfeld.

Engen Kontakt habe Wilhelm Grimm zu „Wilhelminchen“ von Schwertzell gepflegt. Davon künden etliche Briefe. „Aber es war wohl eher so, dass sie für ihn geschwärmt hat“, erzählt der heutige Schlossbesitzer und Nachfahre Dominic von Schwertzell. 1812 erschien der erste Band der Grimms: „Durch den volkspoetischen Stoff erhofften sie sich Zugang zum germanistischen Altertum“, sagte der Wissenschaftler. Nach und nach hätten sie sich auch europäische Stoffe angeschaut, um die Geschichte der Sprache zu erforschen.

Fund auf dem Jettenberg

Um die Sprache drehte sich auch ein sagenumwobener vermeintlicher Fund auf dem Jettenberg, von dem Wilhem Grimm annahm, dass es sich um Runen handelte. Vom Fund habe jedoch Historiker Christoph Rommel - „Intimfeind der Grimms“ - Wind bekommen, der 1818 erstmals davon berichtete. „Dass es sich um deutsche Runen handelt, kann man heute so nicht mehr stehen lassen“, erklärte Ehrhardt. Es sei wohl der Versuch gewesen, die deutsche Schrift zu erklären. Gefunden worden seien auf dem Jettenberg Steine von „runder Formen ohne Zierlichkeit“. Von Schwertzell ließ fortan weiter graben: „Er stieß auf eine gemauerte Grundlage und ließ 30 Wagen Steine abtransportieren“, verdeutlichte Holger Ehrhardt.

Belegt sei, dass die Grimms in Adelskreisen verkehrten. So waren sie etwa bei einer Taufe auf dem Schloss zugegen. „Wenn sie eingeladen waren, gab es stets gutes Essen. Denn mit ihren paar Talern, die sie als Bibliothekare verdienten, kamen sie gerade so über die Runden“, sagte der Grimm-Experte.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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